Wie ich in meiner Psychotherapie mit Kunst arbeite

"Kunst in der Therapie? Muss ich dann Bilder malen...?" Nein, müssen Sie nicht. Ich nutze Kunst auf andere Weise, nämlich um das Sprechen über Gefühle zu erleichtern:

Kunst schärft die Wahrnehmung

Kunst ist etwas, das auf Wahrnehmung und Intuition basiert. Erinnern Sie sich noch an Ihren Weg zur Arbeit heute morgen? Vermutlich Ja - und Nein. Sie erinnern sich, aber nicht wirklich, weil Ihre Wahrnehmung darauf konditioniert ist, jeden Morgen die gleichen Dinge zu sehen, bzw. keine großen Überraschungen zu erleben. Es gibt einen "Hintergrund" und einen "Vordergrund" und was Sie wirklich wahrnehmen ist meist nur der Vordergrund, z.B. wenn vor Ihnen jemand plötzlich seinen Kaffeebecher fallen lässt.

 

Der Hintergrund ist alles, was jeden Morgen gleich ist: Die Straße, der Bus, die Ubahn, die Geräusche, die Gerüche und die Atmosphäre. Es ist schwer, diese Dinge wirklich wahrzunehmen, weil wir sie jeden Morgen sehen und sie unsere Sinne nicht mehr reizen. Um hier etwas wahrzunehmen, muss man die Perspektive verändern und z.B. langsamer gehen, stehen bleiben, zurückblicken oder einfach mal ein Stückchen höher schauen.

 

Menschen mit psychischen Störungen machen oft innerlich und äusserlich zu. Sie nehmen die jeweilige Situation meist nicht so wahr, wie sie ist, sondern oft mit einem Tunnelblick. Auch die Intuition wird weniger und Entscheidungen werden aus dem Verstand und weniger aus dem Bauch getroffen. Das macht die Sache schwierig: Ohne eine gute Verbindung zu sich selbst, den Menschen um einen herum und der Situation, in der man ist, wird das Leben nicht wirklich gut.

 

Wahrnehmung und Intuition kann man schärfen, indem man mit Kunst arbeitet und entweder selbst Kunst schafft oder sich mit Kunst beschäftigt. Ich habe neben meiner psychotherapeutischen Ausbildung auch eine Ausbildung als Kunsttherapeutin und nutze manchmal Übungen aus der Kunst, um meinen Kunden einen Weg aus ihrer momentanen emotionalen Lage zu zeigen. Eine typische Übung ist diese: Nehmen Sie einen Stift in die linke Hand (wenn Sie Rechtshänder sind) und zeichnen Sie eine Linie (bzw. "Krakel") während Sie sprechen. Das klingt erst mal komisch und ist ganz schön schwierig am Anfang: Das Gehirn weiss nicht, auf was es sich konzentrieren soll - auf das links krakeln oder das Sprechen. Eins muss dem Perfektionismus weichen und idealerweise ist das dann irgendwann das Sprechen. Es ist erstaunlich, was man dann beim Sprechen zutage befördert. Oft ist das eine gute Möglichkeit, unbewusste Glaubensmuster auszuhebeln.

 

Zu mir: Ich bin Natalie Marby, Therapeutin mit Praxissitz in Hamburg. Hier erfahren Sie mehr zu meinem Therapieangebot: Natalie Marby Psychotherapie.

 

Zum Weiterlesen: Kunstausstellung als mentales Training nutzen.

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