Englisch als Therapie bei Schizophrenie

Für Schizophrenie-Erkrankte ist das Fremde bedrohlich. Sie müssen ständig ihre inneren und äußeren Grenzen bewachen, da diese sehr fragil sind, und sie müssen sich immer wieder fragen, ob etwas zu ihnen gehört oder nicht. Englisch als fremde Sprache ...

... kann sehr viele Ängste auslösen. Und so bleibt diesen Menschen, wenn sie eine Fremdsprache lernen wollen, aufgrund ihres Krankheitsbildes oft nur übrig, sich an herkömmlichen Sprachunterricht mit fester Struktur und klaren Lernvorgaben zu halten.

 

In meinem Englisch Coaching biete ich die Möglichkeit, sich mit dem Fremden anzufreunden, ohne davon vereinnahmt zu werden. Hier ist der Erfahrungsbericht einer 28-jährigen Frau, die vor sieben Jahren an Schizophrenie erkrankte. Sie durchlebte mehrere Klinikaufenthalte und ist seitdem mit Hilfe von Medikamenten stabil. Seit einem Jahr besucht sie mein Coaching in Zusammenarbeit mit einem Hamburger Beschäftigungsträger:

 

"Ich erinnere mich noch gut an die ersten Stunden bei Frau Marby. Ich war nervös, total nervös. Ich konnte gar kein Englisch, das war ein einziges Gestammel. Ich fühlte in jeder Stunde einen Riesendruck. Aber schon in der Probestunde war etwas da, was mir Mut machte: irgendwie fühlte ich mich sehr frei, trotz der Nervosität und des Drucks. Nach der dritten Stunde passierte etwas, das mir große Angst machte. Wir sprachen in der Stunde über mein Hobby, das Tanzen, und ich geriet plötzlich beim Englisch-Sprechen in so eine Art Fluss, die Sprache kam so aus mir heraus, ohne dass ich es aktiv steuern konnte. Das machte mir Riesenangst. Ich habe jahrelang meine Gefühle an einer sehr kurzen Leine gehalten, aus Angst, wieder abzurutschen, in den Wahn. Nach der Stunde ging ich nach Hause und dachte: Jetzt ist es soweit. Jetzt rutschst du wieder ab. Aber das Erstaunliche war: Das Gegenteil passierte. Ich war stabil. Irritiert, aber stabil. Ich bin nicht abgerutscht.

 

Von da an lernte ich, in der englischen Sprache loszulassen und gleichzeitig verankert zu sein. Es ist schwer, das mit Worten zu erklären. Aber das Coaching bei Frau Marby half mir, Fremdes an mich heranzulassen, mich sogar davon mitreissen zu lassen, ohne dass ich mitgerissen wurde. Ich habe gelernt, meinem Gefühl beim Englisch sprechen zu vertrauen, mich davon leiten zu lassen und trotzdem nicht unterzugehen, sondern die Kontrolle zu behalten. Ich konnte zum ersten Mal wieder kreativ sein, meinen Impulsen folgen, denen ich jahrelang misstraut hatte, weil ich nicht wusste, wo sie mich hinführen würden.

 

Es ist immer noch so, dass ich manchmal beim Englisch sprechen plötzlich denke: Was tust du da? Du kannst doch gar kein Englisch, was redest du da? Woher kommt das? Aber ich habe gelernt, zu vertrauen, weil ich geerdet bin. Ich weiss jetzt, dass ich Englisch kann und dass ich immer wieder den Weg zurück finde ins Deutsche. Das war am Anfang meine große Angst: Finde ich den Weg wieder zurück? Jeder, der an Schizophrenie erkrankt ist, weiss, wovon ich rede.

 

Das Englisch Coaching hat mir so viel Selbstvertrauen gegeben, ich hätte nie gedacht, dass eine Fremdsprache zu lernen so viel in mir bewirken kann. Ich fand Englisch immer toll und wollte es verbessern, um reisen zu können. Jetzt habe ich durch die Fremdsprache Englisch auch noch ein Stück Heimat in mir gefunden - so paradox das klingt!"

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