Den Therapeuten "duzen" - Warum das manchmal helfen kann

In Therapeutenkreisen gilt es als No-Go: Das "Du" zwischen Therapeut und Klient. Dabei ist es aus meiner Sicht manchmal hilfreich für den Therapieerfolg. Warum, das lesen Sie hier:

Es ist die menschliche Beziehung, die heilt

In Deutschland überschreitet ein Therapeut, der sich von seinem Klienten duzen lässt, ein ungeschriebenes Gesetz. Die beruflich-therapeutische Beziehung sollte demnach nicht durch eine privat klingende Anrede verletzt werden. Dabei gibt es sehr viele Klienten, die sich durch die Distanz in der Therapie unwohl fühlen. Aus meiner Sicht ist es vor allem die menschliche Beziehung zwischen Therapeut und Klient, die heilt. Dabei gilt es jedoch, eine feine, aber sehr wichtige Grenze zu wahren:

 

Die Grenze zwischen Verbundenheit und "zu dicht"

Ein Therapeut, der sich in der Therapie entgegen der üblichen Arbeitsweise auch als Mensch zeigt, z.B. indem er sich duzen lässt, wandelt auf einem schmalen Grat: Er muss immer aufpassen, die für den Klienten nötige Distanz zu wahren. Dies muss er allein deswegen, weil es den Klienten schützt. Eine Therapie ist ohnehin schon für den Klienten eine sehr "intime" Angelegenheit, er muss sich zeigen und emotional sehr öffnen, wenn er seine Probleme lösen will. Sitzt nun auf der anderen Seite ein Therapeut, der sehr auf Distanz geht, fehlt aus meiner Sicht aber eine entscheidende Komponente, die sich schwer in Worte fassen lässt und die ich als "Verbundenheit" zwischen zwei Menschen bezeichnen würde.

 

Verbundenheit über das Herz

Meiner Ansicht nach ist es vor allem die Verbundenheit über das Herz, die emotionale Wunden heilt. Das "Du" ist hierfür nur ein Beispiel - man kann sich in der Therapie auch siezen und trotzdem herzverbunden sein. Ein "Du" kann diesen Prozess aber fördern, da es wesentliche Aspekte wie Hierarchie, Macht und "Form" aussen vor lässt.

 

Ich bin Natalie Marby und ich arbeite als Therapeutin in Hamburg (und online) mit dem Medium Kunst, Fremdsprache und psychoanalytischen Methoden. Hier erfahren Sie mehr: Kunst- und Psychotherapie.

 

Zum Weiterlesen: Die therapeutische Wirkung von Englisch.

 

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