G20-Gipfel in Hamburg: So traumatisiert man Menschen

trauma

Ich selbst lebe noch nicht mal im G20-Gefahrengebiet, sondern in einer kleinen Seitenstrasse in Eimsbüttel. Und trotzdem haben die letzten Tage bei mir tiefe Spuren hinterlassen. Hier 3 Aspekte des Hamburger G20 Gipfels aus psychologischer Sicht - völlig unpolitisch:

1. Die Geräuschkulisse

Das Gefühl, sich mehrere Tage lang mitten auf einem Hubschrauberlandeplatz zu befinden (und zwar auch nachts!), erweckt unterbewusst das Gefühl einer ständigen Gefahr und Bedrohung. Besonders das pausenlose sich-nähern und sich-wieder-entfernen der Helikopter war für viele Menschen in meinem Viertel schwer zu ertragen. Wenn es schon in Eimsbüttel so schlimm war: Wie war es dann für die Menschen im Schanzenviertel, rund um die Messehallen, in Altona, Eppendorf und an der Elbchaussee, wo die Autos brannten? Die psychische Komponente dieses Dauerlärms ist nicht zu unterschätzen: Wenn ein solches Geräusch als sehr belastend empfunden wird, und das über mehrere Tage und Nächte hinweg, entsteht daraus eine Dauerspannung, die krank machen kann - auch weit über das Ereignis hinaus.

 

2. Das Mitansehen von Gewalt

Ich lebe seit fast dreissig Jahren in Hamburg und habe mich hier immer sicher gefühlt. In diesen letzten vier Tagen aber nicht mehr. Wenn man nachts mit Explosionsgeräuschen und aktivierten Rauchmeldern konfrontiert ist und seitens der Polizei und Feuerwehr nicht sofort mit Hilfe zu rechnen ist, entsteht ein Gefühl von Angst und Hilflosigkeit. Eine solche Extremsituation stellt eine seelische Grenzerfahrung dar und kann Betroffene stark psychisch erschüttern. Ich kann mir nur ausmalen, wie es jemandem gehen muss, der direkt vor seinem Haus Feuer, Gewalt und Zerstörung mitansehen musste. An die vielen Kinder, die Zeuge dieser Vorfälle wurde, möchte ich gar nicht erst denken.

 

3. Der Verlust des Sicherheitsgefühls

Aus meiner Sicht - und das meine ich völlig unpolitisch - ist das die schwierigste seelische Komponente der vergangenen vier Tage: Die Hamburger waren ganz offensichtlich nicht diejenigen, die beschützt werden sollten. Die Bewohner haben aber vorher fest daran geglaubt. Der G20-Gipfel selbst war ein politischer und logistischer Erfolg, ohne nennenswerte Störungen. Das war sicherlich eine Glanzleistung der beteiligten Sicherheitskräfte. Und die Bewohner Hamburgs? Die sind in ihrem Glauben an ihren Bürgermeister und an den damit verbunden Schutz zutiefst erschüttert worden. In meinem Viertel wurden kleine Geschäfte, Kioskbuden, Dekoläden und Cafés zerstört, ich hätte nicht gedacht, dass mich der Anblick gestern morgen so treffen würde. Es gibt unzählige Menschen in Hamburg, die weit Schlimmeres mit ansehen mussten und die neben den unfassbaren Sachschäden auch noch lange mit den psychischen Folgen kämpfen werden müssen.