Wie merkt man, dass etwas "unbewusst" ist?

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Ein wichtiger Teil meiner Methode ist die Arbeit mit dem Unbewussten, weil das meist für die Probleme im Leben verantwortlich ist. Aber wie spürt man, ob etwas bewusst oder unbewusst ist? Hier ein (ganz praktischer) Erklärungsversuch:

 

Das Unbewusste - simpel erklärt:

Zu merken, dass etwas unbewusst ist, ist eigentlich ein Widerspruch: Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, hielt das Unbewusste für etwas Verdrängtes und somit für etwas, das man gar nicht "merkt", d.h. wahrnimmt. Hier ein Beispiel: Verliert ein Kind früh ein Elternteil, kann es den Schmerz über den frühen Verlust so verdrängen, dass es ihn nicht mehr spürt - gottseidank. Die Verdrängung hat somit überlebenswichtige Funktionen. Der Ort, wo ein solcher Schmerz "hingeschoben" wird, heisst "das Unbewusste".

 

Wie spürt man das Unbewusste:

Man kann spüren, dass etwas unbewusste Ursachen hat, und zwar so: Wenn Sie starke Gefühle nicht zuordnen oder begründen können, werden diese mit grosser Wahrscheinlichkeit aus Ihrem Unbewussten gespeist. Ein Beispiel: Unbegründete Eifersucht ist etwas, das die betroffene Person sich rational nicht erklären kann. Gleichzeitig kann sie sich aber gegen die heftigen Gefühle nicht wehren. Unbewusst liegt der Eifersucht womöglich eine frühere Trennungserfahrung zugrunde, die verdrängt wurde. Kinder, die in sehr jungen Jahren über längere Zeit von der Mutter getrennt waren (z.B. bei einem Krankenhausaufenthalt), können diese Trennungserfahrung oft nur bewältigen, indem sie den Schmerz über das Getrenntsein verdrängen. Dort liegen diese starken Gefühle dann viele Jahre - sie werden quasi "konserviert". In bestimmten Situationen, in denen auch nur ansatzweise eine Wiederholung dieser schmerzhaften Erfahrung droht, schlägt das Unbewusste Alarm und sendet Gefühle wie Panik, Verlustangst, Misstrauen usw.

 

So "entmachten" Sie das Unbewusste:

Wenn Sie mit heftigen Gefühlen konfrontiert werden, die nicht rational zu erklären sind (und andere Menschen Ihnen sagen, Sie sollen sich "mal entspannen"), dann kann eine Therapie helfen. In der Therapie werden die verdrängten Ursachen für solche Gefühle benannt und damit ins Bewusstsein geholt - danach wird das Leben meist sehr viel leichter. Sind unbewusste Gefühle erstmal aus der "Konservierungskammer" des Unbewussten nach vorne in das Bewusstsein geholt, verlieren sie ihre Macht. Dadurch löst sich das Problem dann oft wie von selbst.

 

Ein weiteres Beispiel:

Ein weiteres Beispiel für solche unbewussten Gefühle ist Englischangst. Die Angst, eine Fremdsprache zu sprechen, wird von vielen Nichtbetroffenen belächelt, da es keinen Grund gibt, Angst zu haben. Betroffene sehen sich aber überwältigt von heftigen emotionalen und körperlichen Reaktionen, wie zum Beispiel Herzrasen, heftigen Bauchschmerzen oder dem Gefühl, einfach weglaufen zu wollen. Sind die unbewussten Ursachen hierfür benannt (z.B. Versagensangst oder der Wunsch, dazu zu gehören) und ins Bewusstsein integriert, löst sich die Angst oft sehr schnell. Dies gelingt allerdings meist nur mit Hilfe eines Therapeuten, der die unbewussten Anteile behutsam nach oben befördert.

 

Zu mir: Ich bin Natalie Marby, Therapeutin und zweisprachig (halbenglisch/halbdeutsch). Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf dem Phänomen "Fremdsprache in der Therapie". Weitere Informationen finden Sie hier: Psychotherapie, Fremdsprache und Fremdsprachenangst.

 

Zum Weiterlesen: Angst vor harmlosen Dingen - warum ist das so verbreitet?

 

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