5 Kritikpunkte an deutschen Psychotherapien

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In England und Amerika wird therapeutisch ganz anders gearbeitet als in Deutschland. Das ist mit ein Grund, warum es für Amerikaner zum Beispiel völlig normal ist, eine Therapie zu machen. Hier 5 Aspekte, die aus meiner Sicht deutsche Therapien eher behindern:

Kritikpunkt Nr. 1: Zu viel Vergangenheit

Aus meiner Sicht ist es nicht die Vergangenheit, die heilt, sondern das Hier und Jetzt. Damit meine ich vor allem die Beziehung zwischen Therapeut und Klient. Wenn man als Therapeut den Mut hat, genau hinzuschauen, was sich in der Beziehung zum Klienten gerade abspielt, wird man feststellen, dass sich die Wurzel des Problems oft glasklar zeigt - und damit im Hier und Jetzt betrachtet, untersucht und geheilt werden kann. Hier ein Beispiel:

 

Erzeugt ein Klient in mir das Gefühl, als Therapeut nicht zu genügen, kann es zum Beispiel sein, dass dies ein Hinweis auf die Grundproblematik des Klienten ist. Als Therapeut ist man gefordert, nach innen zu schauen und viele Therapeuten scheuen diesen Schritt, weil dann auch immer eigene Themen mit einfliessen. Ein guter Therapeut muss jedoch aus meiner Sicht ein Leben lang weiter an seinen Themen arbeiten, sonst erscheinen sie in Form seiner Klienten als ständige Aufforderung, sich damit zu befassen.

 

Es ist somit aus meiner Sicht unnötig, zu sehr in die Vergangenheit zu gehen. Natürlich ist es hilfreich, einige biographische Daten abzufragen, um Klarheit über die Ausgangslage zu bekommen. Die Lösung - und Heilung - des Problems liegt jedoch aus meiner Sicht immer in der aktuellen Betrachtung der Therapeut-Klient Beziehung, denn da zeigt sich das Problem aus der Vergangenheit in gegenwärtiger Form.

 

Kritikpunkt Nr. 2: Zu viel Distanz

Deutsche Therapeuten legen sehr viel Wert darauf, als Mensch möglichst "unsichtbar" zu sein. Damit wollen sie den Klienten schützen, aber auch sich selbst. Unter professionellen Gesichtspunkten ist dies vor allem dann angebracht, wenn es um die emotionale Verwicklung geht, die immer dann droht, wenn man seinen Klienten mag. Es ist jedoch aus meiner Sicht eine Sache, professionell distanziert zu sein, und eine andere Sache, kalt und abweisend zu erscheinen. Letzteres ist leider häufig der Fall, weil die professionelle Distanz - aus meiner Sicht - in Deutschland zu weit getrieben wird. Es ist für den Therapeuten wesentlich einfacher und weniger anstrengend, distanziert zu sein. Für den Klienten allerdings ist ein distanzierter Therapeut oft ein grosses Hindernis auf seinem Heilungsweg. Es gilt hier, den goldenen Mittelweg zu finden - ein schwieriger, aber lohnender Pfad.

 

Kritikpunkt Nr. 3: Zu wenig Humor

Diesen Punkt kann ich ganz schnell abhandeln: Lachen ist die beste Medizin. Mein Appell an deutsche Therapeuten lautet: Lacht mehr, am besten mit eurem Klienten, und vor allem über euch selbst :)

 

Kritikpunkt Nr. 4: Zu viel Negativität

Der Fokus liegt in deutschen Therapien oft auf Problemen und darauf, was im Leben des Klienten nicht gut läuft. Zu viel Fokus auf negative Dinge lässt gerade diese Dinge jedoch wachsen. Ich arbeite anders, indem ich darauf schaue, was aus meiner Sicht positiv am Klienten, an seiner Situation und an seinen zukünftigen Möglichkeiten ist. Diese motivationale Kraft führt oft erstaunlich schnell eine Heilung herbei. Als Therapeut muss man diesen Blick aber täglich schärfen und weiter entwickeln.

 

Kritikpunkt Nr. 5: Das Wort "Heilung" ist in Deutschland verpönt

Viele Therapeuten vermeiden bewusst das Wort Heilung, weil es irgendwie unseriös, esoterisch oder pathetisch klingt. Unter Psychoanalytikern ist es sogar ein ungeschriebenes Gesetz, "bloss nicht heilen zu wollen", weil das die Analyse angeblich behindert. Aber wie soll Heilung stattfinden, wenn das Wort schon ein Tabu ist? In England und Amerika wird mit dem Wort "healing" ganz offen und selbstverständlich umgegangen. Auch ich praktiziere das in meiner Arbeit, weil ich daran glaube, dass man das Ziel einer Therapie - und das kann nur die Heilung sein - auch aussprechen sollte.

 

Zu mir: Ich bin Natalie Marby, Therapeutin und zweisprachig (englisch und deutsch). Mein Schwerpunkt liegt auf der Behandlung von Fremdsprachenangst (Angst, z.B. Englisch zu sprechen). Hier finden Sie weitere Informationen dazu: Therapie bei Angst vor Englisch.

 

Zum Weiterlesen: Den Therapeuten duzen - warum das manchmal helfen kann.

 

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