Wann ist ein Erlebnis "traumatisch"?

Obwohl der Begriff des Traumas oft verwendet wird, wissen die wenigsten, was es tatsächlich bedeutet, psychisch traumatisiert zu sein. Hier eine kurze und prägnante Erklärung:

"Trauma" bedeutet "Verletzung"

Ein psychisches Trauma ist eine seelische Verletzung, die nicht bewältigt wurde. Eine solche starke psychische Erschütterung wird durch ein traumatisierendes Erlebnis hervorgerufen. Ein Beispiel hierfür ist das folgende:

 

Typisches Beispiel für ein traumatisierendes Erlebnis:

Wenn ein Lehrer einen Schüler auf dem Kieker hat und ihn jedes Mal nach vorne ruft, ihn vor der Klasse blossstellt oder demütigt, kann das in manchen Fällen ohne Folgen bleiben, in anderen jedoch nicht. Wenn ein Schüler sehr sensibel ist, kann er eine solche Situation als extrem bedrohlich für sein Selbstwertgefühl empfinden und sich der Macht des Lehrers hilflos ausgeliefert fühlen. Viele Menschen denken bei dem Wort "Trauma" an Kriegstraumatisierungen oder Folteropfer, aber ein Trauma bedeutet einfach nur, dass etwas so verletzend war, dass die betroffene Person es seelisch nicht bewältigen konnte. Lesen Sie im nächsten Abschnitt, was es bedeutet, etwas "seelisch zu bewältigen":

 

Seelische Verarbeitung von Ereignissen

Alle Erlebnisse im Leben eines Menschen - egal ob positiv oder negativ -  müssen von der Psyche verarbeitet werden. Ob ein Mensch ein belastendes Ereignis bewältigt oder nicht, hängt von seiner individuellen psychischen Stärke ab. Ein psychisch starker Mensch kann psychische Belastungen so verarbeiten, dass sie sein Selbstwertgefühl nicht beschädigen. Trotz der Belastung erlebt sich dieser Mensch als handlungsfähig und in der Lage, sich selbst zu schützen und zu verteidigen. Wird jedoch dieses Selbstwertgefühl geschädigt, zum Beispiel durch die Erfahrung, einer Situation oder der Macht eines Menschen hilflos ausgeliefert zu sein, kann die Psyche dieses Erlebnis nur bedingt verarbeiten, indem es das Erlebte verdrängt. Aus dieser Verdrängung entstehen später Probleme.

 

Ein Trauma schädigt das Selbstwertgefühl

Weil ein traumatisches Erlebnis immer den Glauben an die eigene Macht schädigt, muss es von der Psyche verdrängt oder anders abgewehrt werden, damit der Mensch weiterleben kann. Bestimmte Ereignisse können das Verdrängte jedoch wieder "triggern", wie zum Beispiel bei der sogenannten Fremdsprachenangst: Wenn jemand in der Schule von einem Lehrer gemobbt wurde, kann es sein, dass die alte Angst wieder hochkommt, wenn er im Beruf vor seinen Kollegen Englisch sprechen muss. Betroffene können allein oft keinen Zusammenhang zwischen der heute erlebten Angst und dem früheren traumatisierenden Ereignis herstellen. Hier kann eine Therapie helfen, die alte Verletzung zu heilen und die aktuell erlebte Angst damit zu überwinden.

 

Zu mir: Ich bin Natalie Marby, Therapeutin mit Praxis in Hamburg. Ich arbeite jedoch auch online und am Telefon. Mein Schwerpunkt ist die Angst vor Englisch, hier finden Sie weitere Informationen: Therapie bei Englischphobie.

 

Zum Weiterlesen: 3 Hinweise für unbewusste negative Glaubenssätze.

 

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