Digitalisierung in der Psychotherapie: 3 Dinge, die unweigerlich kommen werden

Ja, auch Psychotherapeuten können in Zukunft durch Online-Programme ersetzt werden. Und zwar besser, als man denkt! Hier 3 Entwicklungen, die aus meiner Sicht unaufhaltsam sind:

 

Trend Nr. 1: Therapie via Skype, Facetime, Chat oder telefonisch

Vor zehn Jahren noch verpönt, hat sich die sogenannte Online-Therapie zu einer Therapieform gemausert, die sogar die Krankenkassen fördern. Es gibt viel zu wenig freie Therapieplätze in Deutschland und umfangreiche Studien weisen die Wirksamkeit von Online-Therapien inzwischen eindeutig nach. Es erfordert allerdings etwas Übung, online zu therapieren - genauso, wie man den Verkauf am Telefon üben muss, wenn man bisher nur in einem Laden gearbeitet hat. Meine Prognose ist, dass in wenigen Jahren mehr als die Hälfte aller Therapeuten in Deutschland überwiegend online arbeiten werden, weil die Vorteile für beide Seiten einfach nicht wegzureden sind.

 

"Aber der persönliche Kontakt fehlt doch da!"

Das wird gern als Gegenargument ins Feld geführt. Stimmt aber aus meiner Sicht nicht. Genauso wenig wie das Vorurteil, dass junge Leute sich heute nur noch über Facebook treffen. Internet, Social Media etc. ist für die junge Generation eine Ergänzung - und sie handhaben das sehr viel besser als wir glauben.

 

Trend Nr. 2: Online Therapie-Programme

Kennen Sie moodgym? Das ist ein interaktives verhaltenstherapeutisches Selbsthilfeprogramm für Menschen mit Depressionen. Es hat weltweit mehr als eine Million Nutzer. Das Programm wurde in Australien entwickelt, ist bunt, frisch und ansprechend. Wenn ich Depressionen hätte - ich würde das zunächst mal ausprobieren, bevor ich eine Psychotherapie starte. Online-Programme werden meines Erachtens zukünftig mehr und mehr zur Vorbeugung und Verringerung von psychischen Symptomen den Therapiemarkt erobern und Therapeuten müssen sich im Klaren darüber sein, dass diese Programme auch den einen oder anderen Therapieplatz ersetzen können.

 

"Aber Online-Therapieprogramme sind doch total unpersönlich!"

Ja, aber Dating-Portale sind es auch und trotzdem wächst dieser Markt unaufhaltsam und viele Paare finden sich auch tatsächlich über das Internet. Das Argument des Unpersönlichen zieht aus meiner Sicht einfach nicht mehr, dafür bietet die digitale Therapie zu viele Vorteile.

 

Trend Nr. 3: Menschen wollen einen schnellen Therapieerfolg

... und das ist absolut nachvollziehbar, finde ich. Klassische Psychotherapien dauern oft mehrere Jahre und weisen gerade am Anfang wenig spürbare Erfolge auf. Man braucht einen langen Atem, um eine Therapie erfolgreich hinter sich zu bringen. Ist es nicht verständlich, dass ein Mensch mit einem psychischen Problem sein Leben möglichst schnell verbessern will? Und kann er nicht erwarten, dass das auch ohne das langwierige Durcharbeiten seiner Kindheit passiert? Ich finde, Ja. Die Anzahl psychischer Erkrankungen nimmt weltweit so rasant zu, dass die Psychotherapie mit neuen, effizienteren und schneller wirksamen Lösungen aufwarten muss - und dabei auch die Vorbeugung einbezogen werden sollte.

 

Zu mir: Ich bin Natalie Marby, zweisprachige Therapeutin (Englisch/Deutsch) mit Praxissitz in Hamburg. Ich arbeite bereits seit mehreren Jahren mit Menschen online in der ganzen Welt. Mein Schwerpunkt ist die Behandlung von Englischangst (Fremdsprachenphobie), hier erfahren Sie mehr: Therapie bei Angst vor Englisch.

 

Zum Weiterlesen: Warum macht Social Media süchtig? 2 ungewöhnliche Erklärungen.

 

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