Plötzlich Angstgefühle - woher kommt das?

Wenn aus dem Nichts Angst hochsteigt, ist das immer ein ernstzunehmendes Signal. Lassen Sie es nicht zu einer ausgereiften Angststörung kommen. Hier erfahren Sie die Ursachen und was Sie im Notfall tun können:

Die Ursachen plötzlicher Angst:

Das Herz rast, klopft, schlägt Alarm und will, dass Sie reagieren. Betroffene wissen aber gar nicht, wovor sie in diesem Moment Angst haben und so verbleiben sie hilflos in Schockstarre, weil sie nicht wissen, was vor sich geht. Ihr Körper und Ihre Seele wollen Ihnen jedoch mit der Panik etwas ganz konkretes zeigen: Meist meldet sich ein verdrängtes Gefühl aus der Kindheit, deren Verdrängung aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Hierzu ein Beispiel:

 

Beispiel für ein verdrängtes Kindheitsgefühl, das sich im Erwachsenenleben in Form von Angstattacken wieder meldet:

Ein Mann musste während seiner Kindheit aufgrund der Scheidung seiner Eltern sehr viel Angst durchleben. Diese Angst hat sich in den tieferen Schichten seiner Psyche "festgesetzt", wo sie ihn nicht stört und ihm ermöglicht, ein normales Leben zu führen. Als er 40 Jahre alt ist, überkommen ihn plötzlich aus dem Nichts heftige Angstgefühle. Er leidet seit Jahren an zunehmendem Stress und steht kurz vor seiner eigenen Scheidung. Der Stress und die bevorstehende Scheidung haben sein psychisches Korsett geschwächt, und damit auch die Möglichkeit, seine Ängste aus der Kindheit weiterhin zu verdrängen. Je geschwächter und instabiler ein Mensch ist, umso schwächer ist auch seine psychische Abwehr. Es kann jedoch auch sein, dass ein Mensch sich unbewusst dieser "Altlasten" entledigen will und sie deshalb an die Oberfläche kommen. Dann sind Panikattacken als Chance zu sehen, alte Ängste zu überwinden und zum Beispiel zu lernen, dass eine Scheidung kein Grund ist, Angst zu haben.

 

Warum Angstgefühle oft diffus sind:

Wird ein Baby im ersten Lebensjahr von der Mutter (oder einer Bezugsperson) länger getrennt, oder erlebt es auf irgendeine Art und Weise eine andere Form von "Trennung", dann löst das im Kind ein Gefühl von existentieller Bedrohung aus. Diese starke und zunächst verdrängte Angst kann sich dann im Erwachsenenalter als diffuse Angst äussern, deren Ursache oft nicht feststellbar ist, weil keine bewusste Erinnerung vorliegt. Auch hier kann aktueller Stress und eine Wiederholung des Traumas (zum Beispiel eine Trennung vom Partner oder der Verlust des Arbeitsplatzes) dazu führen, dass diese starken, lebensbedrohlichen Angstgefühle wieder hochkommen und den betroffenen Menschen überwältigen und ihn daran hindern, normal weiterzuleben.

 

Was kann man tun, wenn plötzlich Angst aufsteigt?

Der einfachste Rat, der auch am besten wirkt, ist:

 

1. Nicht gegen die Angst ankämpfen.

Sie sind nicht die Angst - es meldet sich lediglich etwas, das im Grunde nicht zu Ihnen gehört. Sei es aus der Vergangenheit oder der Gegenwart: Etwas "stört" und bringt Sie durcheinander und emotional in Unordnung. Versuchen Sie, die Panik zu beobachten. Wenn das nicht geht, machen Sie folgendes:

 

2. In den Körper gehen.

Machen Sie sich schwer. Stellen Sie sich vor, Sie wären ein nasser, schwerer Sack. Spüren Sie, wie schwer es ist, Sie zu bewegen. Diese Übung wird Ihnen helfen, in den Körper zu gehen, d.h. Ihre Energie wieder im Körper zu zentrieren. Menschen mit Panikattacken gehen energetisch schnell aus ihrem Körper raus, weil sie innerlich flüchten. Hier hilft auch Sport, gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf.

 

3. In den Bauch atmen.

Auch dieser simple Trick funktioniert sehr gut. Tief in den Bauch atmen hilft, ins Hier und Jetzt zu kommen.

 

4. Identifizieren Sie sich nicht mit der Angst.

Sie SIND nicht die Angst - viele Angstpatienten identifizieren sich zu stark mit der Panik und werden sie dadurch umso schwieriger wieder los. Wenn Ihr Herz rasend schnell klopft, dann stellen Sie sich vor, wie Sie vor einem Pferd stehen, das Panik hat. Es steht still vor Ihnen, hat aber starke Angst - wie beruhigen Sie es? (Sie können sich auch ein anderes Tier vorstellen, wenn Sie keine Pferde mögen). Reden Sie im Geist beruhigend auf das Tier ein. Oft hilft auch die Vorstellung eines ängstlichen Kindes, das man beruhigt. Dadurch schafft man Distanz zu den starken Panikgefühlen und beruhigt sich dabei selbst.

 

5. Suchen Sie sich Hilfe, bevor die Angst Sie komplett beherrscht.

Eine Therapie kann helfen, Ursachen aufzuarbeiten und Ihnen den praktischen, stabilisierenden Umgang mit Angst und Panik zeigen. Es ist auch immer eine Chance, mehr über sich selbst zu lernen und sich zu entwickeln, denn Angst ist immer auch ein Hinweis auf etwas, das sich im Menschen weiter entwickeln will. Sperrt man sich gegen diese Entwicklung, zum Beispiel indem man zu stark gegen die Angst ankämpft oder sie "weghaben will", wird die Angst vermutlich grösser, weil irgendetwas im Innen und Außen nicht mehr zueinander passen.

 

Zu mir: Ich bin Natalie Marby, Therapeutin in Hamburg, ich arbeite jedoch auch telefonisch mit Klienten in ganz Deutschland. Mein Schwerpunkt ist die Behandlung von Ängsten und Phobien, speziell die sogenannte Fremdsprachenphobie. Hier erfahren Sie mehr zu meinem Therapieangebot.

 

Zum Weiterlesen: Angst vor "harmlosen" Dingen - warum ist das so verbreitet?

 

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