Warum Psychotherapie mit Amerikanern so viel Spaß macht

Ich liebe es, psychotherapeutisch mit US-Amerikanern zu arbeiten. Es ist einfach ganz anders, als mit Deutschen zu arbeiten. Lesen Sie hier, warum:

Amerikaner sind pragmatisch

Als ich anfing, englischsprachige Psychotherapie anzubieten, habe ich mich noch bei jedem Interessenten verlegen dafür entschuldigt, dass ich nicht über die Krankenkassen abrechne, denn ich arbeite ausschliesslich mit Selbstzahlern. Es ist verständlich, dass das in Deutschland nicht so gut ankommt, denn hier bekommt jeder kostenlose Psychotherapie, wenn er es möchte. Amerikaner ticken jedoch völlig anders: Noch bevor ich meinen "Entschuldigungssatz" vollenden konnte, kam meist schon ein freudiger Ausruf: "No problem, I'm more than happy to pay myself!", was auf Deutsch so viel heisst wie: Ich zahle GERNE selbst. Ich muss sagen, dass ich das von Deutschen bisher sehr, sehr selten gehört habe, einzig und allein deshalb, weil die Krankenkassen nunmal die Behandlung zahlen und dies fest in unserer Gesellschaft verankert ist. Und es ist ja auch etwas sehr Gutes, dass Psychotherapie bei uns eine für alle zugängliche Leistung ist. Man muss sich aber als freier Psychotherapeut in Deutschland Nischen suchen, die die Krankenkassentherapeuten nicht bedienen, sonst hat man keine Chance. Und deswegen freue ich mich so über die Nische der englischsprachigen Psychotherapie, die ich für mich gefunden habe.

 

Therapie ist für Amerikaner nicht unangenehm

Fast alle Amerikaner (nicht alle, aber die meisten) machen es sich in meinen Therapiesitzungen so richtig gemütlich. Als erstes ziehen sie ihre Schuhe aus. Dann machen sie es sich im Therapiesessel bequem, oft mit angezogenen Beinen oder im Schneidersitz. Manche packen sogar ein Sandwich aus. Es ist für Amerikaner kein unangenehmer Termin, zur Therapie zu gehen. Mich hat das als Halb-Britin am Anfang etwas irritiert (die Engländer sind da komplett anders!) aber ich habe schnell gemerkt, dass ich es liebe, so zu arbeiten. Denn auch ich kann mich dabei entspannen! Für Amerikaner zählt nicht, wie man gekleidet ist oder wie die Praxis eingerichtet ist. Für sie zählt der Mensch, der ihnen gegenübersitzt und ihr eigenes Gefühl, das sie während der Stunde haben. Ich muss sagen, dass mich diese Haltung enorm beeindruckt.

 

Amerikaner können verzeihen

Damit meine ich: Sie sind erstaunlich schnell bereit, einen Vorwurf fallen zu lassen. Das hat mich am Anfang auch sehr überrascht: Wir Deutsche brauchen oft sehr lange, um einen Vorwurf von der Aussenwelt abzuziehen und bei uns selbst zu schauen, was das Problem ausgelöst haben könnte. Amerikaner dagegen sind "elastischer" und positiver in ihren Gefühlen. Als Therapeut hat man viel mehr Spielraum, weil man Gefühle leichter in neue Bahnen lenken kann.

 

Amerikaner sind lösungsorientiert

Die erste Frage, die Deutsche mir stellen, ist meist: "Mit welcher Methode arbeiten Sie?" Amerikaner fragen zwar auch nach meiner Methode, aber nicht am Anfang. Am Anfang wollen sie ausschliesslich wissen, wer ich bin. Sie wollen wissen, was für ein Mensch ihnen da gegenübersitzt und sind sehr gut darin, zu benennen, wie sie sich mit mir während des Probetermins fühlen. Aus meiner Sicht ist das absolut lösungsorientiert, denn den Hauptausschlag für eine erfolgreiche Therapie bildet die zwischenmenschliche Beziehung zwischen dem Therapeuten und dem Klienten.

 

Amerikaner sind lustig

Ich liebe Therapiestunden, in denen gelacht wird. Lachen ist die beste Medizin! Und Amerikaner lachen viel und gern. Sie sind absolute Teamplayer und verstehen auch die Therapiesitzungen als Teamsache. Und so agieren sie auch: Als Therapeut merkt man sehr schnell, dass amerikanische Klienten von der ersten Sekunde an mitarbeiten. (Psychotherapeuten wissen, was ich damit meine). Übrigens lache ich auch mit meinen deutschen Klienten viel. Aber es ist anders, vorsichtiger. Denn Psychotherapie ist in Deutschland eine ernste Angelegenheit :)

 

Zu mir: Ich bin Natalie Marby, englischsprachige Therapeutin in Hamburg, mit den Schwerpunkten englischsprachige Psychotherapie und Paartherapie sowie Behandlung von Englisch Phobie. Hier gelangen Sie zu meinem Therapieangebot.

 

Zum Weiterlesen: Wichtiger Tipp zum Umgang mit Amerikanern: Verhalten spiegeln.

 

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