Warum erfolgreiche Menschen oft Flugangst haben

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Flugangst trifft paradoxerweise oft selbstbewusste und generell unängstliche Menschen. Hier 2 sehr unterschiedliche Gründe, warum:

 

1. Fliegen weckt Urängste

Die Angst vor dem Tod, vor dem Verlassenwerden oder die Angst vor Schmerzen sind solche Urängste. Im normalen Leben werden wir damit nicht konfrontiert. Jeder Mensch hat diese Ängste, tief innen drin, wir spüren sie nur nicht im Alltag, weil alles, was mit Urängsten zusammenhängt, in unserer Gesellschaft tabuisiert wird - es wird nicht darüber gesprochen. Beim Fliegen passiert nun folgendes: Ein Mensch, der generell nicht viel hinterfragt, sondern die Dinge so nimmt, wie sie sind (und ich finde, das ist positiv!), der wird eher selten an Flugangst leiden. Es trifft mehr die Menschen, die kritisch sind, Dinge hinterfragen, das Große Ganze sehen und immer genau wissen wollen, was gerade passiert - einfach deshalb, weil sie gerne verstehen, was passiert. Und ein solcher Mensch wird blitzschnell begreifen, dass hier ein großes Risiko für sein Leben besteht. Dann kann man natürlich abwägen: Ein Flugzeug ist technisch ausgereift, die Wahrscheinlichkeit, dass es abstürzt, ist gering, usw. Aber allein die Tatsache, dass ein Mensch anfängt, darüber nachzudenken, in was für einem Gerät er sitzt, dass er sich in der Luft befindet und sich mit hoher Geschwindigkeit über den Wolken bewegt, genügt schon, um diese Urängste zu wecken. Interessanterweise haben solche Menschen im ICE keine Angst. Das liegt am Bodenkontakt. Es ist etwas komplett anderes, mit hoher Geschwindigkeit über dem Boden zu schweben, als in der Luft. Gerade die Höhe im Flugzeug und der mangelnde Abstand zum Boden macht Flugangstbetroffenen Probleme. Ich rate meinen Klienten oft, sich beim Fliegen vorzustellen, dass es nur ein Testflug ist und sie sich immer noch auf dem Boden befinden, oder in einer sehr kleinen Höhe von 100 Metern zum Beispiel. Das hilft oft sofort gegen Flugangst.

 

2. Der Körper reagiert schneller als der Verstand

Ein zweiter Grund dafür, dass erfolgreiche Menschen an Flugangst leiden, ist der folgende: Beim Fliegen erlebt grundsätzlich jeder Mensch, dass der Körper schneller reagiert als der Verstand. Sie kennen das bestimmt, wenn der Magen plötzlich gefühlt einen Purzelbaum schlägt, wenn das Flugzeug in Turbulenzen gerät. Man kommt gedanklich gar nicht so schnell hinterher, zu begreifen, was passiert. Im Kleinen passiert das auch schon beim Einsteigen ins Flugzeug: Die Enge, das Warten in der Schlange, die Ungeduld, weil so viele Leute so langsam sind, beim Sitz finden, Gepäck verstauen, sich auf dem Platz einrichten. Man muss sehr, sehr geduldig sein beim Boarding, und das ist für Menschen, die es gewohnt sind, Dinge schnell und effizient zu erledigen, schon eine Qual. Beim Fliegen gibt es viele Dinge, die als normal angesehen werden, die aber massive Urängste wecken: Man kommt nicht raus, man muss sich klein machen, man hat nie genug Platz, man muss ständig Anweisungen befolgen, man ist auf engstem Raum mit sehr vielen Menschen zusammengepfercht, die man nicht sieht, man muss stillsitzen und oft sehr lange warten, bis es weitergeht. Dazu ist es im Flugzeug immer sehr laut (wir merken das nur nicht) und die Luft ist schlecht. Alle diese Dinge werden von Ihrem Körper sehr sehr genau wahrgenommen, während der Verstand sie aber meistens ausblendet. Die Symptome, die Flugangst Betroffene zeigen, entsprechen genau dieser Situation: Enge in der Brust, Unfähigkeit zu atmen, Schwitzen, Todesangst, Herzklopfen, Aggressivität und Reizbarkeit, Übelkeit. Gerade erfolgreiche Menschen sind es gewohnt, die Unanehmlichkeiten beim Fliegen komplett auszublenden, denn sonst könnten sie ihren Job gar nicht mehr geniessen. Sie haben so eine Art Scheuklappen dafür entwickelt, dass es zum Beispiel wahnsinnig eng ist. Wenn Sie Business Leute beim Fliegen beobachten, werden Sie sehen, dass diese nie den Eindruck erwecken, zu wenig Platz zu haben. Im Gegenteil: Sie sind Meister darin, sich auf engstem Raum auszubreiten. Und genau da liegt meiner Erfahrung nach das Problem: Vom Verstand her haben sie die Situation ausgeblendet. Ihr Körper registriert jedoch die negativen Einflüsse. Das allein ist noch kein Problem. Aber hier wird dem Körper nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt, und damit meine ich: den wahren körperlichen Bedürfnissen. Ich rate meinen Flugangst Klienten, ihren Körper fest in den Sessel zu drücken, so dass sie den Widerstand im Rücken fühlen. Und die Füsse fest auf den Boden zu stellen. Mit den Händen fest den Sitz oder die Armlehnen zu umklammern und sich mit den Augen einen festen Ankerpunkt zu suchen und sich darauf zu fokussieren. Es geht nur darum, die Schere zwischen Verstand und Körper nicht zu weit auseinander fallen zu lassen und dem Körper zu signalisieren, dass der Verstand die Situation so wahrnimmt, wie sie ist. Denn das ist sehr wichtig: Wenn der Körper eine Gefahr wahrnimmt und der Verstand nicht, dann entsteht sofort heftige, unerklärbare Angst. So einfach ist das.

 

Zu mir: Ich bin Natalie Marby, Therapeutin in Hamburg. Ich arbeite auch mit vielen Menschen am Telefon. Mehr Informationen zu meiner Flugangst Therapie finden Sie hier: Therapie bei Angst vor dem Fliegen.

 

Zum Weiterlesen: Welche Therapie hilft am besten bei Flugangst?

 

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