· 

Binationale Ehen: Erst reizvoll, dann oft sehr schwierig

binationale-ehe-zwei-welten-unter-einem-dach

Wer einen Ehepartner aus einem anderen Kulturkreis hat, erlebt nach einiger Zeit oft unüberwindbare kulturelle Hürden, vor allem in der Alltagskommunikation: 

 

Warum wird die Kommunikation in binationalen Ehen nach einiger Zeit schwierig?

Am Anfang ist es eine unglaubliche Bereicherung, einen Partner aus einem anderen Land zu haben. Die Sprache, die Gewohnheiten - alles scheint fremd und reizvoll. In einer längeren Beziehung werden beide Partner jedoch unweigerlich vor emotionale und intellektuelle Herausforderungen gestellt, die oft zu Krisen führen, weil beide sich unverstanden fühlen. Meist haben beide das Gefühl, vom anderen generell in Frage gestellt zu werden, was als Kränkung erlebt wird. Dies kann aus ganz banalen Dingen hervorgehen, wie zum Beispiel der Haushaltsführung oder dem Umgang mit Geld. Was ich immer wieder erlebe, ist dass binationale Paare irgendwann unbewusst ausblenden, dass ihr Partner aus einem anderen Kulturkreis stammt. Das geschieht deshalb, weil jeder Partner glaubt, den anderen extrem gut zu kennen und dass damit dessen Herkunft nicht mehr wichtig ist. Lebt man jedoch längere Zeit zusammen, treten Überzeugungen und Glaubenssätze zu Tage, die jeder aus seiner Ursprungsfamilie und aus seinem heimatlichen Kulturkreis automatisch mitbringt. Das sind unbewusste soziale "Programmierungen", die die Kommunikation, das Verhalten und auch die Vorstellungen von Beziehung und Familie enorm prägen.

 

Wie kann eine bilinguale Eheberatung helfen?

Ein Therapeut oder Coach, der beide Kulturkreise kennt und beide Sprache beherrscht, kann wie eine Art Brücke fungieren. Ich selbst habe eine englische Mutter und einen deutschen Vater und arbeite sehr viel mit deutsch-/englischsprachigen Paaren, die sich bei mir beide verstanden und aufgehoben fühlen. Oft sind es sprachliche Feinheiten und auf den ersten Blick unwichtig wirkende Umgangsformen, die emotional enormes Konfliktpotential beherbergen. Als bilinguale Paartherapeutin helfe ich Paaren, zu unterscheiden, was auf kulturellen Unterschieden beruht und was nicht. Denn das ist solchen Paaren oft überhaupt nicht klar: Oft höre ich den Satz "Jetzt verstehe ich endlich, warum mein Partner das ständig macht!" Diese Erkenntnis führt oft zu großer Erleichterung und auch Verwunderung. Denn es ist nicht einfach, als englischsprachiger Mensch mit einem Deutschen verheiratet zu sein, und umgekehrt auch nicht. 

 

Was sind die häufigsten kulturellen Fehlinterpretationen:

Die häufigsten Missverständnisse, die ich bei Deutsch-Englischsprachigen Paaren erlebe sind die folgenden (dies sollen lediglich Beispiele darstellen und sind auf keinen Fall allgemeingültig):

 

1. Der deutsche Partner will oft alles geordnet haben. Englischsprachige Menschen verstehen diesen Ordnungswunsch meist als persönliche Kritik.

2. Deutsche Partner (vor allem Männer) reagieren auf starke Emotionen ihrer Partnerin oft abwehrend. Gerade US-amerikanische Frauen reagieren darauf oft sehr gekränkt, weil sie es aus ihrer Heimat anders kennen.

3. Englischsprachige Frauen sind oft verwundert, wenn sie von der deutschen Familie ihres Partners nicht mit offenen Armen aufgenommen werden. Oft verstehen sie das als persönliche Ablehnung und verstehen nicht, dass es für Deutsche schwierig ist, so schnell eine enge Bindung herzustellen. Dies kann zu großen Problemen in der Ehe führen, da der deutsche Partner dann in einen Konflikt gerät.

4. Englischsprachige Männer verstehen ein Schweigen ihrer deutschen Partnerin manchmal falsch. Wenn deutsche Frauen schweigen, sind sie oft einfach entspannt oder nachdenklich. Im englischsprachigen Raum ist Schweigen schwierig und wird als innerer Rückzug und als Distanziertheit aufgefasst. 

 

Was auch immer gerade in einer binationalen Beziehung zu Problemen führt, lässt sich über eine kulturelle und kommunikative Betrachtung von aussen oft gut entzerren und lösen. Wenn Sie Interesse an einem Termin haben, nehmen Sie gerne Kontakt zu mir auf! Hier können Sie mir schreiben.

 

Zum Weiterlesen: Bi-nationale Partnerschaft: "Einer von beiden ist immer am Kämpfen."

 

Zu mir: Ich bin Natalie Marby, zweisprachige Therapeutin in Hamburg. Mehr zu meinem Angebot finden Sie hier: Paartherapie auf Deutsch, Englisch oder im Wechsel.

 

Hier können Sie meinen Blog abonnieren.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0