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Beziehungssprache Englisch: 4 Tipps, um als bilinguales Paar konstruktiv zu streiten

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Haben Sie einen ausländischen Partner und Ihre Beziehungssprache ist Englisch? Wenn ja, werden Sie bei Diskussionen schnell an Ihre Grenzen stoßen. Hier sind 4 Tipps für bilinguale Paare:

Tipp Nr. 1: Informieren Sie sich über die Streitkultur im Land Ihres Partners

In Zeiten von Google ist das einfach: Geben Sie einfach als Suchwort zum Beispiel "Wie streitet man in Brasilien?" ein und Sie werden viele Informationen zu Umgangsformen und Streitkultur finden. Natürlich findet man im Internet viele klischeehafte Darstellungen, aber diese (zugegeben oberflächlichen) Informationen werden Ihnen ein Gefühl dafür geben, mit welchen Schwierigkeiten Sie grundsätzlich rechnen müssen, wenn es ans konstruktive Streiten mit Ihrem Partner geht. (Es geht im Grunde nur um die grobe Richtung, nicht darum, was Sie genau tun oder sagen sollen). Manchmal ist es für den deutschen Partner auch einfach nur wichtig, zu erkennen, dass der nicht deutsche Partner eine grundsätzlich andere Streitkultur gewöhnt ist. Interessanterweise vergessen internationale Paare diesen Aspekt sehr oft, was langfristig zu kommunikativen Schwierigkeiten in der Beziehung führen kann, die jedoch nicht sein müssen.

Tipp Nr. 2: Sagen Sie klar und deutlich, was es ist, das sie wollen

... denn dazu benötigen Sie kein hochanspruchsvolles Englisch. Was ich bei bilingualen Paaren immer wieder beobachte, ist folgendes: Der deutsche Partner drückt nicht direkt aus, was es ist, dass er oder sie sich wünscht. Obwohl Deutsche ja generell sehr direkt und klar in ihrer Kommunikation sind, verlieren sie in bilingualen Beziehungen oft diese Klarheit. Ich erlebe in Paarsitzungen immer wieder, dass Deutsche von ihrem ausländischen Partner insgeheim erwarten, dass er oder sie auch ohne Worte versteht, was los ist. Hilft der ausländische Partner zum Beispiel zu wenig im Haushalt, tendieren deutsche Partner oft dazu, dies nicht direkt zu kommentieren, sondern sich still darüber zu ärgern. Der Grund hierfür ist, dass es in Deutschland vollkommen normal, bekannt und selbstverständlich ist, dass der Partner im Haushalt hilft. In manchen Ländern ist das jedoch anders und Sie sollten im Zweifel immer davon ausgehen, dass Alltagsdinge im Ausland anders gesehen und geregelt werden als in Deutschland. Sagen Sie deshalb klar und deutlich, was Sie wollen, zum Beispiel: "Ich möchte, dass du mir mehr im Haushalt hilfst, und zwar auf die folgende Weise:..." Wenn sich in Ihnen Widerstand regt, weil Sie Ihrem Partner die Dinge nicht vorkauen wollen, die er für Sie tun soll, dann muss ich Ihnen leider sagen: Aus meiner Erfahrung ist das unumgänglich, wenn Sie ständige Streitereien und Missverständnisse vermeiden wollen. Es gibt eine seltsame innere Hürde bei Deutschen, ihrem ausländischen Partner gegenüber klare und konkrete Wünsche bezüglich des Zusammenlebens zu äußern. Mein Rat ist daher: Springen Sie über Ihren Schatten und versuchen Sie einmal, sich konkret dazu zu äußern. Sie werden überrascht über die Wirkung sein - und über die Harmonie, die Sie dadurch in Ihrer Beziehung herstellen können.

Tipp Nr. 3: Aufmerksamkeit ist ein wichtiges Beziehungsgut in Deutschland

... in anderen Ländern sieht dies jedoch anders aus. Machen Sie nicht den Fehler und gehen davon aus, dass die Art von Aufmerksamkeit, die man in Deutschland von seinem Partner erwarten kann, auch in anderen Ländern üblich ist. Deutsche sind es gewohnt, den Menschen, die ihnen nahe stehen, eine direkte, verbindliche und vor allem sehr interessierte Aufmerksamkeit zu schenken. Man könnte es auch Tiefgründigkeit nennen (wobei das wertend klingt und das hier nicht meine Absicht ist). Was Ihnen klar sein muss, ist: In anderen Ländern zeigt man Aufmerksamkeit anders. Deutsche erwarten von ihrem Partner oft, dass er ihnen zuhört, sich für sie interessiert und mitfühlt, wenn es mal nicht so gut läuft. Für Deutsche ist das vollkommen normal. In anderen Ländern ist es natürlich auch üblich, den Partner zu unterstützen, ihm zuzuhören und sich für ihn zu interessieren - es wird jedoch oft vollkommen anders gezeigt. Und in diesem Unterschied lauert sehr viel Potential für Missverständnisse, Verletzungen und Enttäuschungen. Mein Rat: Informieren Sie sich über das Thema Paarbeziehungen in dem Herkunftsland Ihres Partners. Sprechen Sie vielleicht sogar mit Paaren, die bereit sind, Ihnen Ihre Fragen zu beantworten. Keine Frage ist zu dumm, zu naiv oder zu seltsam - ganz im Gegenteil, Sie zeigen mit Ihren Fragen, dass Sie an Ihrer Beziehung arbeiten möchten und Ihren Partner besser verstehen wollen. Trauen Sie sich, zuzugeben, dass Sie vielleicht manche Dinge unterschätzt haben. Es wird Ihnen in vielerlei Form zugute kommen.

Tipp Nr. 4: Erlauben Sie Ihrem Partner sein Anderssein

Ein großer Fehler, den deutsche Frauen und Männer machen, die mit einem Ausländer liiert sind, ist: Sie wollen nach einiger Zeit (unbewusst) erreichen, dass ihr Partner sich wie ein Deutscher verhält. Wenn ich diesen Aspekt in meiner Paartherapie anspreche, erlebe ich oft vehementen Widerspruch seitens des deutschen Partners. Nach einiger Zeit des Reflektierens müssen sich deutsche Partner jedoch oft eingestehen, dass sie genau das versuchen: Sie probieren, ihren ausländischen Partner "einzudeutschen", und zwar über die Erwartungen, die sie haben und über die Definition einer glücklichen Beziehung. Wenn Sie mit einem Ausländer zusammen sind, müssen Sie eventuell eine neue Definition einer Beziehung kreieren. Versuchen Sie, gemeinsam mit Ihrem Partner herauszuarbeiten, welche Form von Beziehung Sie beide leben wollen. Ein gutes Team zu sein ist zum Beispiel manchmal viel wichtiger als Romantik. Für andere Paare kann jedoch Romantik der wichtigste Faktor sein, da sie ohnehin ein gutes Team sind. Entscheidend ist, dass Sie beide sich auf eine solche Definition einigen können und dass Sie beide mit dieser Definition glücklich sind. Wenn Sie hier an Ihre Grenzen stoßen, kann ein Paartherapeut Ihnen helfen, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, der Sie beide glücklich macht.

Zum Weiterlesen:

Über mich:

Ich bin Natalie Marby, zweisprachig (Englisch/Deutsch) und Paartherapeutin in Hamburg. Ich habe mich auf die bilinguale Paartherapie (deutsch/englisch) spezialisiert und biete diese Beratung überregional auch telefonisch an. Mehr zu meiner Arbeit lesen Sie hier: Bilinguale Paartherapie

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