"Sorry, my English is not so good...!"

Kennen Sie diesen Satz? Er ist ein ganz schlechter Start.  Meist ist dies die Standard-Einleitung von Deutschen, wenn Sie sich unsicher auf Englisch fühlen. Warum der Satz aber nicht gut für Sie ist (und was Sie stattdessen tun können) lesen Sie hier:

Warum der Satz eine negative Atmosphäre schafft:

Ich finde es schade, dass ausgerechnet diese doch so negativen Worte die Einleitung bilden. Der Satz führt dazu, dass beide sich schlecht fühlen: Der Deutsche, weil sein Englisch ja angeblich so "grottenschlecht" ist (und er glaubt, den anderen damit womöglich zu nerven oder sich selbst zu blamieren). Der englischsprachige Mensch fühlt sich dadurch ebenfalls schlecht, weil er sich sofort schuldig fühlt, denn er bringt ja seinen Gesprächspartner in eine missliche Lage. Da sitzen also zwei Personen mit einem schlechten Gefühl - wie soll daraus ein gutes Gespräch entstehen?

 

Der Satz bremst und blockt ab:

Engländer, Australier, Amerikaner usw. haben die Fähigkeit, mit solchen schlechten Einleitungen sehr geschickt (und positiv!) umzugehen und sie schaffen es meist, dem anderen im Laufe des Gesprächs wieder ein gutes Gefühl zu geben. Noch besser wäre es allerdings, wenn so ein Satz nicht am Anfang steht - ich weiss, dass die meisten ihn sagen, um sich zu schützen, sich Raum zu verschaffen, den anderen zu "entschleunigen" (denn das ist oft eine schlechte Angewohnheit von englischsprachigen Menschen: sie reden oft zu schnell) und zu signalisieren, dass Sie nicht auf dem gleichen Level stehen. Was Sie mit "Sorry, my English is not so good" aber eigentlich tun, ist das Gespräch von vornherein abzubremsen und manchmal sogar zu blockieren oder ganz zu beenden. Es gehört ein gewisser Mut dazu, eine "Welle von Englisch" erstmal über sich ergehen zu lassen, sich nicht klein zu machen und einfach mal zu schauen, was man davon versteht und ob man sich den Sinn nicht irgendwie zusammenreimen kann.

 

Deutsche mögen dieses Risiko nicht

Dieses Risiko gehen Deutsche nicht gerne ein.  Sie gehen lieber auf Nummer sicher, indem sie gleich sagen, dass sie nicht so gut Englich sprechen. Damit nehmen Sie eine negative Bewertung durch den anderen quasi vorweg und verschaffen sich etwas Entspannung. Das Problem ist, dass man sich mit diesem Satz selbst abwertet und die negative Kraft des Satzes nicht unterschätzen darf. (Das Gehirn bzw. das Unterbewusstsein reagieren sofort auf solche negativen Botschaften, auch wenn sie nur so dahin gesagt sind!)

 

Eine andere Möglichkeit, das Gespräch zu beginnen:

Das nächste Mal, wenn Sie ein englisches Gespräch beginnen und Ihnen der Satz auf der Zunge liegt: Sagen Sie ihn mal nicht. Gehen Sie auf Risiko. Schauen Sie mal, ob Sie nicht vielleicht doch besser klar kommen, als Sie glauben. Neben den Worten gibt es auch noch Körpersprache, Betonungen und Sinnzusammenhänge, die Ihnen helfen können, zu verstehen, was der andere sagt. Machen Sie "auf" - und nicht "zu". Öffnen Sie Ihre Sinne und Ihre Wahrnehmung und achten Sie nicht nur auf Worte. Und versuchen Sie, das unangenehme Gefühl auszuhalten, das eintritt, wenn viele unbekannte Worte auf Sie einprasseln. Fangen Sie eins auf, das Sie kennen und versuchen Sie, kreativ damit das Gespräch weiterzuführen. Der andere wird schon merken, dass Sie nicht alles verstanden haben - der Unterschied ist aber, dass Sie sich nicht klein gemacht haben. Schließlich sprechen Sie eine fremde Sprache und der andere nicht.

 

Übungen dieser Art machen einen großen Teil meiner Arbeit aus. Wenn auch Sie sich unsicher in Englisch fühlen oder sich vielleicht gar nicht trauen, zu sprechen, kann es helfen, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Ich biete eine spezielle Therapie bei Fremdsprachenhemmungen, mehr Informationen finden Sie hier: Therapie bei Englischangst.

 

Zum Weiterlesen: Begrüssung auf Englisch: 3 Sätze, die immer passen.

 

Ich schreibe regelmässig über das Thema Psychotherapie & Fremdsprache, hier können Sie meinen Blog abonnieren.

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