Woher kommt die Angst, Englisch zu sprechen?

Panikgefühle, extreme Unsicherheit und der starke Wunsch, einer englischsprachigen Situation zu entkommen - das sind typische Anzeichen einer sogenannten Fremdsprachen Phobie. Unser heutiges Berufsleben, aber auch ein Großteil unseres Privatlebens ist von der englischen Sprache dominiert. Urlaubsreisen, die lang ersehnte Beförderung oder die Party, bei der Englisch gesprochen wird, werden bei manchen Menschen aufgrund von Englischangst strikt vermieden bzw. sabotiert, um sich vor unangenehmen Erfahrungen zu schützen. Lesen Sie nachfolgend, woher eine solche Fremdsprachen Angst kommt, was sie verursacht und wie man sie überwinden kann: 

Die häufigste Ursache: Negative Schulerlebnisse

Die meisten meiner Klienten hatten ein negatives oder sogar traumatisierendes Erlebnis mit einem Englischlehrer, mit Mitschülern oder im Kontext eines Unterrichts. Eine häufig Variante ist der Fall, dass ein Englischlehrer sich einen Schüler herauspickt, der aus dem Stehgreif englische Vokabeln liefern muss, etwas vorlesen oder erzählen  muss oder Grammatikübungen lösen muss. Solche 'Überfälle' sind im normalen Schulalltag durchaus üblich, aber manche Schüler reagieren darauf sehr negativ. Angestaute Gefühle wie Wut, Hilflosigkeit, Scham oder Angst vor Ausgrenzung können sich dann im Schüler lange Zeit festbeißen. Wenn später als Erwachsener eine Fremdsprache gesprochen wird, können diese früheren Gefühle plötzlich wieder aktiviert werden und führen dann zu Angst- oder Panikgefühlen, weil der Betroffene dies nicht noch einmal durchleben will. Die Lösung bei solchen negativen Schulerlebnissen liegt in der Möglichkeit, heute anders (d.h. erwachsen) auf solche 'Überfälle' zu reagieren. Viele Menschen mit negativen Englischerlebnissen aus der Schulzeit verhalten sich als Erwachsene immer noch wie Schüler, die glauben, dass sie hilflos ausgeliefert sind. Dabei sieht die Realität anders aus und eine Therapie kann helfen, solche Situationen neu zu bewerten, neu zu interpretieren und dadurch neues Verhalten zu 'lernen'.

Zweithäufigste Ursache: Störungen in der Kommunikation in der Ursprungsfamilie

Der Kommunikationsstil einer Familie hat immer einen großen Einfluß darauf, wie Kinder später mit einer zweiten Sprache umgehen. War es zum Beispiel in der Familie nicht üblich, einem Kind Aufmerksamkeit zu schenken, solange es noch nicht sprechen konnte, kann das bei diesem Kind dazu führen, dass es den Glaubenssatz abspeichert "Nur wenn ich richtig spreche, werde ich wahrgenommen und ernstgenommen". Eine Fremdsprache stellt diesen Menschen dann vor die große Herausforderung, sich wieder so zu fühlen: klein, dumm und noch nicht ernst zu nehmen. "Lern' erstmal sprechen!" wird dann zu einem ständigen, negativen begleitenden Glaubenssatz und diese Menschen wenden viel Zeit und Geld auf, um ihre Englischkenntnisse zu verbessern, ohne wirklich eine Lösung des Problem herbeizuführen. Eine Lösung kann nur darin bestehen, den alten Glaubenssatz durch einen neuen zu ersetzen. Dabei ist jeder Glaubenssatz individuell und muss mit viel Feingefühl herausgearbeitet werden, denn oft sind es Nuancen in den Worten, die darüber entscheiden, ob ein positiver Glaubenssatz genug Hebelkraft besitzt oder nicht. Nur mit entsprechender Hebelkraft lässt sich die Angst vor dem Englisch reden dauerhaft überwinden.

Dritthäufigste Ursache: Migrationshintergrund oder Mehrsprachigkeit

Kinder aus Migrantenfamilien und Kinder von Eltern aus unterschiedlichen Ländern haben zum Thema Sprache oft eine weitaus komplexere Beziehung als deutsche Kinder mit deutschsprachigen Eltern. Migrantenkinder müssen oft sehr schnell die deutsche Sprache beherrschen, da die Eltern Sprache als Schlüssel zur Integration erachten und dadurch manchmal unbewusst Druck auf das Kind ausüben, die Sprache schnell und möglichst perfekt zu beherrschen. Dieser Druck, verbunden mit der Angst, die Familie zu enttäuschen, kann sich später beim Erwerb einer weiteren Sprache derart wiederholen, dass der Betroffene sich unbewusst gegen die neue Sprache komplett verwehrt. Die Blockade ist auch hier wieder ein unbewusster Versuch, die unangenehmen Gefühle nicht noch einmal durchleben zu müssen. Kinder von Eltern aus unterschiedlichen Ländern lernen oft zwei Sprachen gleichzeitig, was für sich genommen kein Problem darstellt. Die zwei Sprachen sind für das Kind jedoch unweigerlich mit dem jeweiligen Elternteil verbunden, dessen Sprache es ist. Oft schwenken diese Kinder dann aus Bequemlichkeit zu einer Sprache, die sie hauptsächlich sprechen, und das Elternteil, dessen Sprache 'aufgegeben' wurde, ist dann in einem kommunikativen Nachteil. Dieser Umstand kann zu Beziehungs- und Bindungsproblemen innerhalb der Familie führen. Auch hier kann das spätere Sprechen einer Fremdsprache diese alten Gefühle wieder reaktivieren und zu negativen Emotionen wie Verlustangst führen.

Vierthäufigste Ursache: Angst, ungebildet zu erscheinen

Fließendes Englisch wird als Zeichen einer guten Ausbildung angesehen. Aus Angst vor Abwertung traut sich kaum jemand, öffentlich zuzugeben, dass er kein Englisch spricht. Es wird tatsächlich von den meisten Menschen erwartet, dass sie eine englische Unterhaltung führen können. Menschen, die eine problematische Beziehung zum Thema 'Bildung' haben, können sich vom Sprechen einer Fremdsprache derart eingeschüchtert fühlen, dass sie sich komplett zurückziehen. Allein die Vorstellung, Englisch zu sprechen kann dann solche Versagensängste hervorrufen, dass noch nicht einmal der Versuch unternommen wird, vor anderen Englisch zu reden - aus Angst, in den Augen der anderen ungebildet zu erscheinen. Die Lösung einer solchen Problematik liegt darin, zu lernen, anderen die Bewertungsmacht über sich selbst zu entziehen. Dies ist ein Prozess, der über mehrere Schritte gehen kann. Gibt man anderen nicht mehr die Macht, über einen selbst zu urteilen, kann dies schon zu einer deutlichen Entspannung beim Englisch sprechen und zu einer Verbesserung des Sprachflusses führen. 

Fünfthäufigste Ursache: Negative Selbstkritik

Beim Sprechen einer Fremdsprache müssen wir uns selbst ganz fest zur Seite stehen. Wir müssen uns selbst bedingungslos gegen jede Kritik von außen unterstützen, denn das Sprechen einer Fremdsprache macht automatisch verletzlich und verunsichert nahezu jeden Menschen bis zu einem gewissen Grad. Übt man zu starke Selbstkritik aus, kann dies dazu führen, dass der Sprachfluß komplett blockiert. Der Grund hierfür ist, dass Selbstabwertung, übertriebener Perfektionismus oder zu hohe Erwartungen an sich selbst ein Grundgefühl von Angst wecken, was wiederum jegliche Kreativität, die zum Sprechen einer Fremdsprache unbedingte Voraussetzung ist, verhindern. Ohne Kreativität lässt sich eine fremde Sprache nicht fließend sprechen. Um Kreativität zu ermöglichen, muss der innere Kritiker ausgeschaltet werden - hierfür gibt es verschiedene therapeutische Methoden, die alle gleichsam darauf abzielen, das innere Selbstbild und den Selbstwert so zu erhöhen, dass man nicht mehr solchen Angriffen von innen ausgeliefert ist. Denn wer von innen angegriffen wird, wird aus Angst vor weiteren Angriffen nicht in der Öffentlichkeit Englisch sprechen.

Erkennen Sie sich in diesen Beschreibungen wieder? Leiden auch Sie an unerklärbaren seelischen Blockaden beim Englisch sprechen?

Ich habe mich auf die Behandlung von Fremdsprachen Phobie spezialisiert. Die meisten meiner Klienten benötigen circa 4 Termine, um ihre Englischangst dauerhaft zu überwinden. Wenn Sie Interesse haben, mit mir zu arbeiten, kontaktieren Sie mich gerne, ich freue mich auf Sie!