Warum löst Englisch sprechen bei manchen Menschen so viel Stress aus?

Viele Menschen sind überrascht, wenn sie entdecken, dass ihre Schwierigkeiten mit Englisch nicht nur mit der Sprache selbst zu tun haben.

 

Vielleicht kennen Sie das:

 

Ihre Englischkenntnisse reichen eigentlich aus.

 

Sie verstehen vieles.

 

Und trotzdem entsteht Druck, Unsicherheit oder sogar Angst, sobald Sie sprechen sollen.

 

Oft fragen sich Betroffene:

 

“Warum passiert das ausgerechnet mir?”

 

Die Antwort ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

 

Dennoch gibt es bestimmte Erfahrungen und innere Muster, die mir in meiner Arbeit immer wieder begegnen.

 

Die folgenden Beispiele sollen keine Diagnose liefern.

 

Sie können jedoch helfen, die eigene Erfahrung besser zu verstehen — und vielleicht auch etwas freundlicher auf sich selbst zu schauen.

Erfahrungen aus Schule und Ausbildung

Viele Menschen, die unter Stress beim Englisch sprechen leiden, erinnern sich an unangenehme Erfahrungen aus der Schulzeit.

 

Vielleicht wurden Sie plötzlich aufgerufen, mussten vor der Klasse sprechen oder hatten das Gefühl, ausgelacht, bewertet oder bloßgestellt zu werden.

 

Solche Situationen sind nicht zwangsläufig traumatisch. Sie können jedoch Spuren hinterlassen.

 

Manche Menschen bemerken später, dass sich beim Englisch sprechen dieselben Gefühle melden wie damals: Scham, Hilflosigkeit, Unsicherheit oder die Angst, Fehler zu machen.

 

Oft ist es entlastend zu erkennen, dass die heutige Reaktion nicht aus dem Nichts kommt, sondern eine Geschichte hat.

 

Zum Weiterlesen: Warum "einfach sprechen" bei Englischangst oft nicht hilft

Erfahrungen in der Familie

Auch die Art, wie in einer Familie kommuniziert wurde, kann einen Einfluss darauf haben, wie sicher oder unsicher wir uns später mit Sprache fühlen.

 

Manche Menschen haben früh gelernt, dass sie sich besonders anstrengen müssen, um gehört oder ernst genommen zu werden.

 

Andere haben erlebt, dass Fehler schnell kritisiert wurden oder dass hohe Erwartungen an sie gestellt wurden.

 

Eine Fremdsprache kann solche alten Erfahrungen manchmal überraschend deutlich sichtbar machen.

 

Nicht weil Englisch das Problem ist, sondern weil Englisch Situationen erzeugt, in denen wir uns verletzlicher fühlen als sonst.

 

Zum Weiterlesen: Warum eine Fremdsprache manchmal alte Erinnerungen berührt

Mehrsprachigkeit und Migrationshintergrund

Menschen, die mit mehreren Sprachen aufgewachsen sind oder Migrationserfahrungen in ihrer Familie haben, berichten oft von einer besonders komplexen Beziehung zum Thema Sprache.

 

Sprache kann dann mit Zugehörigkeit, Anpassung, Erwartungen oder familiären Loyalitäten verbunden sein.

 

Manchmal entsteht dadurch ein Druck, alles richtig machen zu müssen.

 

Manchmal tauchen Gefühle auf, die scheinbar nichts mit Englisch zu tun haben.

 

Auch solche Zusammenhänge können eine Rolle spielen, wenn das Sprechen einer Fremdsprache ungewöhnlich viel Stress auslöst.

 

Zum Weiterlesen: Warum Menschen mit Migrationshintergrund manchmal besondere Schwierigkeiten mit Englisch haben

Angst, ungebildet zu wirken

Für viele Menschen ist fließendes Englisch eng mit Themen wie Bildung, Kompetenz oder beruflichem Erfolg verbunden.

 

Wer Angst hat, Fehler zu machen, erlebt Englisch oft nicht nur als Sprache, sondern auch als eine Situation, in der man bewertet werden könnte.

 

Schon die Vorstellung, vor anderen Englisch zu sprechen, kann dann starken Druck auslösen.

 

Hinter dieser Angst steckt oft weniger die Sprache selbst als die Sorge, nicht zu genügen oder negativ wahrgenommen zu werden.

 

Zum Weiterlesen: Angst, beim Englisch sprechen ungebildet zu wirken

Selbstkritik und Perfektionismus

Ein Thema, das mir besonders häufig begegnet, ist starke Selbstkritik.

 

Viele Menschen sprechen innerlich deutlich strenger mit sich, sobald Englisch ins Spiel kommt.

 

Jeder Fehler wird registriert.

Jede Unsicherheit wird kommentiert.

Jede Pause wird als Beweis dafür gewertet, dass etwas nicht stimmt.

 

Unter diesen Bedingungen wird Sprechen anstrengend.

 

Oft entsteht Veränderung nicht dadurch, dass man sich noch mehr anstrengt, sondern dadurch, dass man lernt, freundlicher und realistischer mit sich selbst umzugehen.

 

Denn wer sich innerlich sicherer fühlt, kann meist auch freier sprechen.

 

Zum Weiterlesen: Englischangst: Wie man beim Sprechen den Kontakt zu sich selbst nicht verliert

Erkennen Sie sich in diesen Beschreibungen wieder?

Vielleicht haben Sie sich in einem der Beispiele wiedergefunden.

 

Vielleicht auch in mehreren.

 

Die gute Nachricht ist:

 

Mit diesen Erfahrungen sind Sie nicht allein.

 

Viele Menschen, die unter Stress oder Angst beim Englisch sprechen leiden, tragen nachvollziehbare Gründe dafür in sich.

 

Oft beginnt Veränderung nicht damit, dass man sich mehr anstrengt.

 

Sondern damit, dass man versteht, was eigentlich passiert.

 

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie ich mit Menschen arbeite, die unter Angst, Englisch zu sprechen leiden, finden Sie hier weitere Informationen: