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Auslandsvorwahl? Warum englische Telefonate manchmal so viel Druck auslösen

Viele Menschen kennen diesen Moment:

 

Das Telefon klingelt.

 

Auf dem Display erscheint eine internationale Nummer.

 

Und noch bevor man abgenommen hat, ist die Anspannung bereits da.

 

Interessanterweise berichten viele Betroffene von sehr ähnlichen Reaktionen.

 

Sie lassen das Telefon klingeln.

 

Sie hoffen, dass jemand anderes rangeht.

 

Oder sie suchen möglichst schnell einen Weg aus der Situation heraus.

 

Warum das so ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten.

 

Aber die Reaktionen selbst sind bemerkenswert.

Wenn die Möglichkeiten plötzlich verschwinden

Was mich über die Jahre immer wieder beschäftigt hat:

 

Viele Menschen verlieren in solchen Momenten scheinbar einen Teil ihrer Handlungsfähigkeit.

 

Nicht tatsächlich.

 

Aber gefühlt.

 

Plötzlich scheint es nur noch wenige Möglichkeiten zu geben.

 

Man muss perfekt reagieren.

 

Oder man scheitert.

 

Man versteht alles.

 

Oder gar nichts.

 

Dabei gäbe es in den meisten Gesprächen zahlreiche Zwischentöne.

 

Nachfragen.

 

Zeit gewinnen.

 

Etwas wiederholen lassen.

 

Kurz überlegen.

 

Im Rückblick wissen das die meisten Menschen auch.

 

Doch in der Situation selbst scheint dieser Handlungsspielraum oft kleiner zu werden.

Eine interessante Frage

Manchmal habe ich Menschen gefragt:

 

“Wie würden Sie reagieren, wenn das gleiche Gespräch auf Deutsch stattfinden würde?”

 

Nicht als Technik.

 

Sondern aus Neugier.

 

Denn häufig zeigte sich dabei etwas Interessantes:

 

Die Person verfügte plötzlich wieder über viele Möglichkeiten.

 

Sie wusste genau, wie sie reagieren würde.

 

Wie sie um Wiederholung bitten würde.

 

Wie sie Zeit gewinnen würde.

 

Wie sie freundlich bleiben würde.

 

Die Handlungsfähigkeit war also nicht verschwunden.

 

Sie schien nur unter der Angst schwerer zugänglich zu sein.

Wenn die Sorge alles andere überdeckt

Ein weiterer Aspekt fiel mir immer wieder auf.

 

Viele Menschen beschreiben, dass sie während eines belastenden englischen Telefonats fast ausschließlich mit sich selbst beschäftigt sind.

 

Mit den eigenen Gedanken.

 

Den eigenen Fehlern.

 

Der eigenen Nervosität.

 

Das ist verständlich.

 

Und gleichzeitig interessant.

 

Denn oft gerät dadurch etwas in den Hintergrund:

 

Der Mensch am anderen Ende der Leitung.

Die andere Person verschwindet

Unter starkem Druck scheint es manchmal schwerer zu werden, den Gesprächspartner überhaupt noch wahrzunehmen.

 

Nicht aus Unhöflichkeit.

 

Sondern weil die eigene Anspannung so viel Raum einnimmt.

 

Dabei kann genau diese Erinnerung manchmal hilfreich sein:

 

Am anderen Ende sitzt kein Prüfer.

 

Kein Richter.

 

Sondern meist ein Mensch, der ebenfalls etwas klären, verstehen oder erreichen möchte.

Vielleicht geht es nicht nur um Sprache

Früher habe ich solche Situationen vor allem als Sprachproblem betrachtet.

 

Heute sehe ich das etwas anders.

 

Natürlich spielt die Sprache eine Rolle.

 

Aber oft scheint noch etwas anderes mitzuschwingen.

 

Druck.

 

Unsicherheit.

 

Die Sorge, nicht zu genügen.

 

Oder das Gefühl, plötzlich auf sich allein gestellt zu sein.

 

Man muss diese Erfahrungen nicht sofort erklären können.

 

Aber es kann hilfreich sein, sie ernst zu nehmen.

 

Denn manchmal erzählt die Angst vor einem englischen Telefonat mehr über den Umgang mit Druck als über die Sprache selbst.


Wenn Sie mehr über die möglichen Hintergründe von Englischangst (Angst, Englisch zu sprechen) erfahren möchten, finden Sie hier weitere Informationen: