Die 5 Hauptursachen für die Angst vor dem Englisch sprechen

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Es gibt aus meiner Sicht 5 Ursachen, die zu einer Englisch Phobie führen können. Um eine solche Ursache zu identifizieren, muss man nicht in die Kindheit gehen, diese zeigt sich immer direkt:

 

5 Hauptgründe, warum man Angst verspürt, Englisch zu sprechen:

 

Nr. 1: Unbewusst unterdrückte Wut

Unterdrückte Wut ist der Hauptgrund Nummer Eins für Englischängste. Gerade Menschen, die sich selbst als "nie wütend" bezeichnen, tragen oft eine gehörige Ladung unterdrückter Wut mit sich herum.

Wie merke ich das als Therapeutin und warum führt unterdrückte Wut zu Englischangst?

Ganz einfach: Ich spüre, wenn es sich um unterdrückte Wut handelt, wenn ich mich als Therapeutin plötzlich sehr wütend fühle. Der Klient "schiebt" dann quasi das Gefühl, das er nicht haben will (die Wut) unbewusst zu mir herüber. Um sicherzugehen, dass es sich nicht um meine eigene Wut handelt, überprüfe ich in dem Moment, ob die Wut sich sehr plötzlich, sehr heftig und in meinem Körper bemerkbar macht. Ich kann anhand dieser drei Merkmale genau unterscheiden, ob es sich um meine Wut oder die des Klienten handelt.

Warum führt unterdrückte Wut zu Englischangst?

Weil unterdrückte Gefühle in der Fremdsprache nicht mehr so gut unterdrückt werden können. Es ist ein psychologisches Phänomen, dass man in einer Fremdsprache eine veränderte und geschwächte psychische Abwehrstruktur für unerwünschte Gefühle hat. Diese "brodeln" dann sozusagen nach oben und um das zu stoppen, entwickelt die Seele eine innere Sperre, die sich zum Beispiel in Angst zeigen kann, die Sprache zu sprechen.

 

Nr. 2: Mangelnder Selbstwert

Dieser äussert sich in Perfektionismus oder übertriebenem Grammatik- und Vokabellernen, ohne dass man mit dem Ergebnis zufrieden ist. Wenn man sich selbst nicht genug wertschätzt, versucht man, die Wertschätzung von aussen zu bekommen. Über gute Leistung kann das ganz gut funktionieren, so kann man sich eine Weile über Wasser halten. Soll man aber plötzlich Englisch sprechen, kracht dieses Gerüst blitzschnell in sich zusammen, denn niemand ist auf Anhieb in Englisch perfekt. Perfektionismus hemmt überdies den Sprachfluss und die Kreativität beim Englisch sprechen, und beides ist sehr wichtig, um Englisch fliessend zu sprechen. Ein mangelnder Selbstwert zeigt sich in der Therapie sehr schnell, z.B. wenn ein Klient es selbst vor mir nicht ertragen kann, kleine Englischfehler zu machen.

 

Nr. 3: Angst vor Konflikten

Dies ist ein sehr verbreiteter Grund für die Angst vor dem Englisch reden. Wenn man ein konfliktscheuer Mensch ist, vermeidet man tunlichst (und meist über das Sprechen) jede Art von Konfrontation. Solche Menschen versetzt es regelrecht in Panik, wenn sie nicht wissen, wie sie in Englisch die Sprache zur Konfliktabwehr einsetzen sollen. Sie haben oft Angst, dass sie nicht die hundertprozentige Kontrolle darüber haben, wie ihr Satz ankommt - und das führt dazu, dass sie versuchen, jeden Satz möglichst genau eins zu eins aus dem Deutschen zu übersetzen. Das führt fast immer in die Sackgasse - und die Angst wird dadurch immer größer.

 

Nr. 4: Mangelnde Fähigkeit, sich abzugrenzen

Menschen, die sich innerlich nicht gut abgrenzen können, haben meist gelernt, sich in der deutschen Sprache so mitzuteilen, dass sie sich geschützt fühlen. Das kann beispielsweise ein "wenig reden" sein oder eine längere Sprechpause, bevor man eine Frage beantwortet. Wenn solche Menschen mit Englisch konfrontiert werden, geht ihnen vorübergehend jeder Schutz verloren, denn sie trauen sich nicht, wenig oder gar nichts zu sagen, aus Angst davor, dass der andere mit der Tür ins Haus fällt, sie überrumpelt werden oder in etwas hineingezogen werden, das sie nicht wollen. Das kann zu schlimmen Sprechängsten führen, die Aussenstehende nicht nachvollziehen können. Eine mangelnde Fähigkeit, sich abzugrenzen, spüre ich in der Therapie meist in der allerersten Sitzung in Form von massiver, wellenartiger Angst, gemischt mit einem Gefühl von Verzweiflung und dem Versuch, sich mir gegenüber zu öffnen. Hier muss erst einmal eine Vertrauensbasis zwischen mir und dem Klienten geschaffen werden. Mit solchen Menschen spreche ich erst sehr viel später Englisch, damit sie Zeit haben, anzukommen und sich sicher zu fühlen.

 

Nr. 5: Angst, ungebildet zu erscheinen

Das ist gerade in sehr kompetitiven Berufsfeldern ein Riesenproblem: Anwälte oder Unternehmensberater zum Beispiel sind oft mit internationalen Teams konfrontiert, wo es zum guten Ton gehört, in England oder Amerika studiert zu haben und Englisch wie ein Muttersprachler zu sprechen. Jede noch so kleine Unsicherheit in Englisch wird als Lücke im Lebenslauf erachtet - zumindest sehen das Betroffene so. Oft sind das Menschen, die in der Schulzeit das Gefühl bekommen haben, "Glück" gehabt zu haben, dass sie das Abitur oder später das Studium geschafft haben. Sie halten sich selbst für nicht besonders intelligent und haben Angst, dass das quasi "auffliegt". Meist sind das sehr begabte und hochintelligente Menschen, die aber in der Schule oder Uni durch Gelangweiltsein oder Verweigerung negativ aufgefallen sind. Diese Menschen müssen in Englisch ihren eigenen Stil, ihre eigene Sprechweise beim Englisch sprechen finden, weil sie meist bisher versucht haben, andere zu kopieren. Über diesen Weg kann die Angst, ungebildet zu wirken, dauerhaft aufgelöst werden.

 

Zu mir: Ich bin Natalie Marby, Therapeutin in Hamburg. Ich arbeite auch mit Menschen ausserhalb von Hamburg am Telefon. Mein Schwerpunkt ist die sogenannte Fremdsprachenphobie (Angst, Englisch zu sprechen). Lesen Sie hier mehr: Angst vor dem Englisch reden.

 

Zum Weiterlesen: "Ich kann keine englischen Sätze bilden" - warum ein Sprachkurs im Ausland oft nichts bringt.

 

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