Die Angst, Englisch zu sprechen kann von einer belastenden Geschwisterbeziehung kommen

Es gibt viele Ursachen für eine Englisch Phobie, aber eine erlebe ich in meiner Arbeit immer wieder, nämlich schwierige Beziehungen zu Geschwistern. Warum, das lesen Sie hier:

Beispiel: Ein älteres Geschwisterkind zieht ein jüngeres regelmässig auf

Für Kinder sind ältere Geschwister meist ein Vorbild, sie wollen ihnen nachahmen und ihnen gefallen. Ältere Geschwister nehmen somit quasi eine Art "Zweitelternrolle" ein, bei der vieles schiefgehen kann. Wenn zum Beispiel ein älteres Kind seinen jüngeren Bruder ständig aufzieht, ihn blossstellt oder quält, kann das jüngere Kind diese Behandlung lebenslang unbewusst abspeichern als Glaubenssatz: "Ich bin klein, ich bin dumm und verdiene daher diese Behandlung." Das jüngere Kind wird dann später im Leben Situationen partout vermeiden, in denen es sich schwächer, dümmer oder unterlegen fühlt. Hierzu zählt dann auch das Englisch sprechen.

 

Ein weiteres Beispiel: Ein jüngeres Kind quält ein älteres Geschwisterkind

Wenn ein jüngeres Kind seinen älteren Bruder oder seine ältere Schwester regelmäßig psychisch quält (was Kinder sehr gut beherrschen), kann dies ebenfalls enorm negative Auswirkungen auf das ältere Kind haben. Das ältere Kind wird dann meist eine gewisse Lebensvorsichtigkeit entwickeln und es fällt solchen Menschen oft sehr schwer, spontan zu sein und starke Gefühle zu zeigen. Oft gibt es in Familien ein unausgesprochenes Verbot, das den älteren Geschwistern nicht gestattet, sich gegen seine jüngeren Geschwister zu wehren. Das führt dazu, dass sich im älteren Kind negative Gefühle wie Wut und Trauer anhäufen, die keinen Ausdruck finden. Wenn ein solcher Mensch später Englisch im Beruf sprechen soll, kann eine Blockade eintreten, da eine Fremdsprache immer die Kindheitsgefühle aktiviert (mehr dazu im nächsten Abschnitt), und der Betroffene die unangenehmen Gefühle nicht noch einmal durchleben will.

 

Eine Fremdsprache weckt immer die Erinnerung an die Kindheit

Beim Sprechen einer Fremdsprache wird man kurzerhand in die Vergangenheit geschleudert: Man kann nicht so gut sprechen wie die "Großen", man macht Fehler, über die andere vielleicht lachen, man versteht vieles gar nicht, man ist langsam und kann sich auch nicht so gut wehren. Das sind alles ähnliche Gefühle wie in der Kindheit. Bei Menschen, die eine belastende Geschwisterbeziehung hatten, kann Englisch sprechen als Erwachsener so angsteinflössend sein, dass sie sprachlich vollkommen blockieren. Oft ist der Zusammenhang zum Geschwisterverhältnis nicht bewusst und wird erst im Laufe der Therapie deutlich.

 

Wie löst man eine solche Englisch Blockade?

Egal ob man das jüngere oder das ältere Kind war: Es geht darum, tief im Inneren zu verstehen, dass man heute als Erwachsener eine solche Behandlung nicht mehr hinnehmen muss. Oft ist das Gefühl, hilflos zu sein und sich nicht wehren zu können, derart in den Betroffenen abgespeichert, dass sie - ohne es zu wissen - immer noch nach diesem Muster agieren. Es erfordert somit eine gewisse Korrektur der Realität, um diese alten Gefühle zu überwinden. Hierfür gibt es mehrere therapeutische Methoden, die wirkungsvollste ist jedoch aus meiner Sicht die Arbeit mit dem Inneren Kind. Diese Methode wende ich als Therapeutin regelmässig in solchen Fällen an.

 

"Aha, dann ist also mein Bruder (oder meine Schwester) schuld!"

Diesen Satz höre ich oft, aber es geht nicht um Schuld, sondern um die Ursache. Und die Ursache wird in den Betroffenen immer selbst angelegt. Man lässt sich als Kind meist nur dann von einem Geschwisterkind quälen, wenn man unbewusst die Nähe zu ihm sucht. Dieser Wunsch nach Nähe, oft verbunden mit einem Hassgefühl aufgrund der negativen Behandlung, muss ebenfalls in der Therapie angesehen und losgelassen werden, damit sich das Englischproblem vollkommen auflöst.

 

"Und DAS soll wirklich mein Englischproblem verursacht haben?"

Für viele Menschen ist es kaum zu glauben, dass solche "harmlosen" Kindheitserlebnisse sich derart auf eine Sache wie Englisch auswirken können. Der Grund hierfür ist, dass wir als Kinder eine sehr kleine Welt haben: Diese besteht meist aus der Familie, den Nachbarn, der Schule und vielleicht noch den Kindern im Fussballverein. Mehr gibt es erstmal nicht, und in dieser kleinen Welt zählen Beziehungen alles, denn sie sichern dem Kind das Überleben. Ein Kind kann zu seinen Geschwistern nicht sagen: "Ich möchte Distanz" - das geht nunmal einfach nicht. Unter anderem aus diesem Grund sind Kindheitserlebnisse derart prägend, weil die Welt als Kind so klein, so nah und gleichzeitig so zerbrechlich und bedrohlich ist.

 

Haben auch Sie das Gefühl, dass es etwas aus Ihrer Vergangenheit gibt, dass Ihnen heute Probleme beim Sprechen einer Fremdsprache bereitet? Ich bin Therapeutin mit dem Schwerpunkt Fremdsprachenangst, hier erfahren Sie mehr: Therapie bei Englisch Phobie.

 

Zum Weiterlesen: "Ich hatte panische Angst, den anderen auf Englisch nicht zu verstehen".

 

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