Sich abgrenzen beim Englisch sprechen: Für viele ein Problem

Grenzen setzen, "Nein" sagen, Dinge nicht persönlich nehmen: All das ist wichtig, um selbstbewusst zu agieren. Lesen Sie hier, warum das auf Englisch plötzlich schwer fallen kann und was Sie dagegen tun können:

"Warum kann ich auf Englisch keine Grenzen setzen?"

In einer Fremdsprache fühlt man sich automatisch unsicherer als in der Muttersprache. Man sucht länger nach Worten, versteht manches vielleicht nicht so schnell und fühlt sich insgesamt oft unterlegen. Das ist ein altes und bekanntes Gefühl, denn wir haben uns alle mal als Kind so gefühlt, als wir noch nicht perfekt sprechen konnten und kämpfen mussten, um verstanden zu werden. Als Kind weiss man noch nicht, wie man Grenzen setzt, das lernt man erst später. Als Kind ist man offen und zugänglich, das hat die Natur so eingerichtet, damit wir lernen und uns entwickeln können.

 

"Aber wie kann eine Fremdsprache mich plötzlich so unselbstbewusst machen?"

Ganz einfach: Eine Fremdsprache kann Sie nicht unselbstbewusst machen. Eine Fremdsprache kann nur das hervorholen, was ohnehin schon da ist. Das ist für viele meiner Klienten erstmal schwer zu schlucken: Die Tatsache, dass jemand sich beim Englisch sprechen nicht gut abgrenzen kann, weist aus psychologischer Sicht darauf hin, dass das Selbstbewusstsein generell nicht gut ist, es ist nur im Deutschen nicht so sichtbar. Ein durch und durch selbstbewusster Mensch würde in der Fremdsprache genauso sicher und frei sein wie in seiner Muttersprache, egal wieviele Fehler er macht oder wie oft er sich verhaspelt.

 

Was tun, wenn man beim Englisch sprechen seine Grenzen verliert?

Es gibt eine einfache Übung, die erstaunlich gut und schnell funktioniert. Es handelt sich um eine Visualisierungsübung, und die geht so:

 

Stellen Sie sich vor, Sie stehen mitten in einer Landschaft und da ist ein Schlagbaum. Hinter dem Schlagbaum beginnt ein anderes Land, Sie befinden sich also an einer Grenze. Hinter dem Schlagbaum sind ganz viele Menschen, die Sie dazu bewegen wollen, zu ihnen zu kommen, sie rufen nach Ihnen und fordern Sie auf, herzukommen. Für Sie ist entscheidend, auf Ihrer Seite zu bleiben und den Rufen nicht nachzugehen. Bleiben Sie auf Ihrer Seite, egal was kommt. Wenn Sie einen inneren Druck fühlen, der Sie in Richtung Schlagbaum schiebt, dann drehen Sie sich herum und erzeugen Gegendruck. Sie sind erwachsen und lassen sich von niemandem irgendwo hinschieben, wo Sie nicht hinwollen. Bleiben Sie wenn möglich ein paar Minuten bei diesem Gefühl der Standfestigkeit und der Abgrenzung.

 

Sie können dieses Bild nutzen, wenn Sie Englisch sprechen und das Gefühl haben, zu "schwimmen". Zum Beispiel, wenn jemand etwas von Ihnen will und Sie Schwierigkeiten haben, auf Englisch "Nein" zu sagen. Oder wenn jemand Sie abwertet oder blossstellt. Bleiben Sie innerlich auf Ihrer Seite. Bewegen Sie sich keinen Zentimeter. Auf diese Weise sind Sie geschützt und grenzen sich durch Ihre Positionierung ab. Dieses innere Gefühl wird sich auf Ihre Sprache auswirken und Sie werden dann wahrscheinlich einen Weg finden, gelassen zu kontern. Als Kind konnten Sie das vermutlich nicht gut, aber heute sind Sie erwachsen und können sich das erlauben. Sie werden sehen, dass andere dann auch stehenbleiben (müssen) und Sie nicht so treffen oder manipulieren können, wie Sie es wollen, denn Sie kommen (aufgrund der Grenze, die Sie ziehen) einfach nicht an Sie heran.

 

Zu mir: Ich bin Natalie Marby, Therapeutin mit dem Schwerpunkt Fremdsprachenangst, Englisch Phobie und Englisch Vermeidung. Informationen dazu finden Sie hier: Therapie bei Angst vor dem Englisch reden.

 

Zum Weiterlesen: Was eine Aversion gegen Englisch über Ihren Typ aussagt.

 

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