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Was passiert psychisch, wenn man eine Fremdsprache spricht?

Fremdsprache-und-psyche-tipps

Eine fremde Sprache zu sprechen fordert die Psyche mehr, als man glaubt. Lesen Sie hier, womit die Seele kämpft, wenn Sie zum Beispiel plötzlich Englisch reden:

Es setzt eine latente Angst ein

... und zwar bei jedem Menschen, es sei denn, er spricht die Fremdsprache auf Muttersprachler Niveau. Bei allen anderen Menschen verursacht eine Fremdsprache immer Angst, und zwar davor, Fehler zu machen, sich falsch auszudrücken, dumm zu wirken oder den anderen zu stören oder zu langweilen, weil man so lange für seine Sätze braucht. Bei manchen Menschen ist die Angst sogar so stark, dass sie in der Fremdsprache komplett blockieren (Mehr Informationen dazu finden Sie hier: Angst davor, Englisch zu sprechen).

 

Man wird an die Kindheit erinnert

... und zwar, weil man die Situation kennt: Als man als Kind Deutsch gelernt hat, war man klein, hat nicht alles sofort verstanden und konnte sich auch nicht so schnell ausdrücken. All das erlebt man später beim Sprechen einer Fremdsprache erneut. Deshalb verwundert es nicht, dass viele Menschen davor zurückscheuen oder starke Hemmungen haben, zum Beispiel Englisch vor anderen Menschen zu sprechen. Sie wollen sich nicht wieder so "klein" fühlen. Besonders Menschen, die unangenehme Kindheitserinnerungen haben, was die Zeit des Spracherwerbs angeht (z.B. ältere Geschwister, die kleinere Geschwister gehänselt haben, weil diese noch nicht so gut sprechen konnten), können sich mit fremden Sprachen oft überhaupt nicht anfreunden.

 

Schulerinnerungen werden wach

... auch das betrifft jeden Menschen, zumindest was Englisch als Fremdsprache betrifft: Fast jeder hatte Englisch in der Schule, und fast jeder hat irgendeine Erinnerung daran. Wenn man Glück hat, ist die Erinnerung p0sitiv. Andernfalls wird man als Erwachsener durch das spätere Englischsprechen in die Schulzeit zurückgeworfen und fühlt sich dann oft bewertet, kritisiert, hilflos oder nicht zugehörig. Besonders Menschen, die eine negative Erfahrung mit ihrem Englischlehrer gemacht haben, ringen oft mit Englisch im Job. Sie wollen nicht wieder die Erfahrung machen, wegen der Fremdsprache einer Kritik durch einen Vorgesetzten, oder einer sonstigen negativen Bewertung ausgesetzt zu sein.

 

Gefühle werden sichtbarer

Das ist ein interessantes psychisches Phänomen beim Sprechen einer fremden Sprache: Gefühle, die man in der Muttersprache gut unterdrücken oder überspielen kann (wie zum Beispiel den Ärger über den inkompetenten Kollegen), sind in der Fremdsprache oft plötzlich sichtbarer. Ganz konkret bedeutet das: In der Fremdsprache lassen sich Dinge nicht so gut überspielen. Man merkt schneller, ob jemand zum Beispiel ärgerlich ist, wenn er in der Situation, in der er sich ärgert, Englisch sprechen muss. Dieses "emotional sichtbar sein" spüren viele Menschen bei sich und vermeiden Englisch dann. Schlimmstenfalls kann auch so etwas in einer totalen Englischblockade münden.

 

Zum Weiterlesen: Angst vor englischer Präsentation: 4 Tipps gegen die Nervosität.

 

Zu mir: Ich bin Natalie Marby, Therapeutin in Hamburg. Ich habe mich auf die (teilweise telefonische) Behandlung von Englisch Phobie spezialisiert. Mehr zu meinem Therapieangebot finden Sie hier: Mein Angebot.

 

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