Viele Menschen beschreiben, dass sich das Sprechen einer Fremdsprache anders anfühlt als das Sprechen ihrer Muttersprache.
Dabei geht es oft um mehr als Vokabeln, Grammatik oder Sprachkenntnisse.
In meiner Arbeit mit Menschen, die unter Englischangst oder starken Sprechhemmungen leiden, habe ich immer wieder beobachtet, dass beim Sprechen einer Fremdsprache häufig auch innere Prozesse spürbar werden. Nicht bei jedem Menschen gleich und nicht immer aus denselben Gründen – aber oft auf eine Weise, die sich nicht allein durch mangelnde Sprachpraxis erklären lässt.
Manche Menschen fühlen sich verletzlicher
Eine Fremdsprache bringt uns oft in Situationen, in denen wir langsamer werden.
Wir suchen nach Worten.
Wir müssen nachfragen.
Wir können uns nicht immer so präzise ausdrücken, wie wir es gerne würden.
Für viele Menschen ist das kein Problem.
Andere bemerken jedoch, dass sie sich dadurch ungewohnt verletzlich fühlen.
Vielleicht entsteht die Sorge, einen Fehler zu machen.
Vielleicht die Befürchtung, nicht kompetent zu wirken.
Oder einfach das unangenehme Gefühl, nicht ganz auf gewohntem Terrain zu stehen.
Frühere Erfahrungen können mitschwingen
Manche Menschen berichten, dass Englisch sie überraschend stark emotional berührt.
Manchmal erinnern sie sich an Situationen aus der Schulzeit.
Manchmal an frühere Erfahrungen, in denen sie sich bewertet, kritisiert oder unsicher gefühlt haben.
Das bedeutet nicht, dass die Ursache immer in der Vergangenheit liegt.
Es kann jedoch hilfreich sein, aufmerksamer zu werden, wenn bestimmte Situationen rund um die Fremdsprache immer wieder ähnliche Gefühle auslösen.
Gefühle werden oft deutlicher wahrnehmbar
Eine Beobachtung aus meiner Arbeit hat mich über viele Jahre begleitet:
Manche Menschen erleben ihre Gefühle beim Sprechen einer Fremdsprache unmittelbarer.
Sie spüren Nervosität stärker.
Unsicherheit wird deutlicher.
Aber manchmal auch Freude, Lebendigkeit oder Neugier.
Vielleicht liegt das daran, dass wir uns beim Sprechen einer Fremdsprache nicht ganz so sehr auf gewohnte Routinen verlassen können.
Wir sind etwas wacher.
Etwas aufmerksamer.
Und dadurch möglicherweise auch näher an dem, was wir gerade empfinden.
Es geht nicht nur um Sprache
Wer Schwierigkeiten mit dem Englischsprechen hat, sucht oft nach einer sprachlichen Erklärung.
Manchmal spielt die Sprache tatsächlich die wichtigste Rolle.
Manchmal lohnt es sich jedoch, auch die innere Seite der Erfahrung anzuschauen.
Nicht um eine komplizierte Ursache zu finden.
Sondern um besser zu verstehen, was eigentlich geschieht, wenn eine Fremdsprache plötzlich mehr auslöst als erwartet.
Denn manchmal geht es beim Englischsprechen nicht nur um Englisch.
Sondern auch um die Art und Weise, wie wir uns selbst erleben, wenn wir etwas tun, das uns ungewohnt, sichtbar oder verletzlich erscheinen lässt.
Wenn Sie mehr über die möglichen Hintergründe von Englischangst (Angst, Englisch zu sprechen) erfahren möchten, finden Sie hier weitere Informationen:
