Auf den ersten Blick wirkt es widersprüchlich:
Wer beruflich mit Englisch arbeitet, sollte doch keine Schwierigkeiten mit der Sprache haben.
Im Laufe meiner Arbeit habe ich jedoch immer wieder Menschen kennengelernt, die Englisch übersetzen, unterrichten oder anderweitig professionell nutzen – und sich trotzdem beim Sprechen unsicher fühlen.
Das hat mich lange beschäftigt.
Schreiben und Sprechen sind nicht dasselbe
Wer übersetzt oder schreibt, arbeitet unter anderen Bedingungen als jemand, der spontan sprechen muss.
Beim Schreiben kann man:
- nachdenken
- Formulierungen überarbeiten
- Wörter nachschlagen
- Fehler korrigieren
Beim Sprechen geschieht alles in Echtzeit.
Man muss reagieren, bevor man den perfekten Satz gefunden hat.
Und genau dieser Unterschied kann für manche Menschen überraschend groß sein.
Wenn hohe sprachliche Ansprüche auf spontane Gespräche treffen
Menschen, die beruflich mit Sprache arbeiten, verfügen oft über ein feines Gespür für Nuancen.
Das ist eine große Stärke.
Gleichzeitig kann es dazu führen, dass kleine Fehler besonders stark wahrgenommen werden.
Was anderen kaum auffällt, fällt ihnen selbst sofort auf.
Manche Menschen erleben dadurch einen inneren Druck, der beim Schreiben kaum spürbar ist, beim Sprechen jedoch deutlich hervortritt.
Muss man sprechen wie ein Muttersprachler?
Eine Frage, die mir in diesem Zusammenhang immer wieder begegnet, lautet:
Wie gut muss mein Englisch eigentlich sein?
Manche Menschen messen sich unbewusst an Muttersprachlern.
Oder an einem Idealbild von sprachlicher Perfektion.
Dabei gerät leicht aus dem Blick, dass Kommunikation und Perfektion nicht dasselbe sind.
Viele Menschen können Englisch sehr kompetent sprechen, ohne dabei fehlerfrei zu sein.
Wenn Wissen nicht automatisch Sicherheit schafft
Eine interessante Beobachtung:
Gute Englischkenntnisse führen nicht automatisch zu mehr Gelassenheit.
Manchmal ist sogar das Gegenteil der Fall.
Je mehr man weiß, desto mehr Möglichkeiten sieht man, etwas falsch zu machen.
Deshalb geht es bei Sprechangst oft nicht nur um Sprachkenntnisse.
Manchmal geht es auch um den Umgang mit Unsicherheit, Fehlern oder dem eigenen Anspruch an sich selbst.
Ein anderer Blick auf die Situation
Vielleicht besteht die Herausforderung nicht darin, noch mehr Englisch zu lernen.
Vielleicht geht es manchmal darum, sich selbst etwas mehr Spielraum zu erlauben.
Nicht jeder Satz muss perfekt sein.
Nicht jede Formulierung muss die bestmögliche sein.
Und nicht jede Gesprächssituation verlangt dieselbe Präzision wie eine professionelle Übersetzung.
Manchmal beginnt mehr Sicherheit genau dort.
Wenn Sie mehr über die möglichen Hintergründe von Englischangst erfahren möchten, finden Sie hier weitere Informationen:
