Ältere Menschen lernen Englisch oft leichter

Älter Menschen lernen Englisch leichter, weil die Schulzeit länger her ist und sie nicht so geprägt sind vom Leistungsdruck. Sie lernen Englisch zum Spaß und das ist schon die halbe Miete. Leider haben sie aber auch oft Hemmungen:

"Ich bin schon etwas älter..." - so beginnt oft das Telefonat, wenn es sich um einen Interessenten über sechzig handelt. Wir kennen alle die Vorurteile: Je älter man ist, desto langsamer arbeitet das Gehirn, im Alter kann man sich nichts mehr merken oder da lernt es sich schwieriger. Ich halte das für Quatsch. Ich behaupte sogar das Gegenteil: Wenn Sie älter sind, lernen Sie oft leichter - vorausgesetzt, Sie lassen sich darauf ein, wieder ein Stück weit "Kind" zu werden.

 

Wenn man jung ist, ist man oft noch sehr den gesellschaftlichen Interessen ausgeliefert, man passt sich eher an, hinterfragt nicht so viel, will noch "was erreichen" im Leben. Man vergleicht sich mehr mit anderen und glaubt vieles von dem, was Medien uns vermitteln. Später im Leben geht man seinen eigenen Weg, schert häufiger aus der Masse aus und fängt manchmal sogar ganz neue Dinge an - der beste Zeitpunkt, um eine Fremdsprache zu erlernen. Alle ältere Menschen, die ich bisher als Kunden hatte, waren durchweg lernbegierig, neugierig und vor allem erstaunlich offen, was meine Methoden angeht. Trotzdem haben auch diese Menschen Sprachbarrieren und Ängste, wenn es darum geht, ihre Englischkenntnisse vor anderen zu zeigen.

 

Eine der wichtigsten Voraussetzungen, um eine Fremdsprache zu lernen, ist meiner Meinung nach die Fähigkeit, sich emotional mit dem zu verbinden, was man ausdrücken will. Ein Beispiel: Wir sagen im Alltag sehr viele Sätze, deren eigentlicher Inhalt uns nicht mehr berührt. Wir sagen sie, weil wir sie immer sagen. So zum Beispiel der Ausspruch "Wie die Zeit vergeht!". Es ist ein typischer Satz, bei dem die meisten Deutschen Schwierigkeiten haben, ihn spontan ins Englische zu übersetzen, selbst wenn ihr Englisch sehr gut ist. Der Grund dafür liegt darin, dass wir zum eigentlichen Inhalt des Satzes wenig emotionale Verknüpfung haben. Deshalb frage ich in so einem Moment meistens: "Was bedeutet der Satz für Sie?" Und da liegt das Entscheidende: Er bedeutet für jeden Menschen in jeder Situation etwas anderes. Die Herausforderung in einer Fremdsprache ist, in so einem Fall weg von Floskeln und hin zu dem zu kommen, was man eigentlich in dem Moment sagen will. Das lässt sich dann meist ohne Schwierigkeit ins Englische übersetzen. In meinem Beispiel könnte man "Wie die Zeit vergeht!" vielleicht mit "alles verändert sich" oder "die Kinder sind so groß" ersetzen. Das sind Sätze, die relativ leicht in Englisch gesagt werden können.

 

Dieses Sich-Emotional-Verknüpfen mit dem, was man sagen will können ältere Menschen sehr gut. Zumindest sind das meine Erfahrungen. Falls Sie sich mit dem Gedanken tragen, nochmal Englisch lernen zu wollen und sich aber nicht trauen - nur Mut. Sie können mehr, als Sie glauben.

 

Zu mir: Ich bin Natalie Marby, zweisprachige Therapeutin (Britisch/Deutsch) in Hamburg. Ich arbeite aber auch mit vielen Menschen am Telefon. Mein Schwerpunkt ist die Behandlung der sogenannten "Englisch Phobie", das ist die Angst, Englisch vor anderen Menschen zu sprechen, begleitet von vielen körperlichen Symptomen wie Herzrasen und Schweissausbrüchen. Hinzu kommt ein starkes Vermeidungsverhalten. Hier erfahren Sie mehr zu meiner Arbeit: Therapie bei Angst vor dem Englisch reden.

 

Mehr zu: Mein weiteres Therapieangebot

 

Zum Weiterlesen: Vorsicht - 2 englische Worte, die man lieber gar nicht verwenden sollte.

 

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