Dieser Erfahrungsbericht basiert auf der Arbeit mit einer früheren Klientin. Einige persönliche Details wurden verändert.
Englisch wurde plötzlich zum Stressfaktor
Lange Zeit spielte Englisch in meinem Beruf keine große Rolle.
Dann änderte sich mein Arbeitsumfeld. Es kamen neue Kolleginnen und Kollegen hinzu, internationale Kontakte wurden wichtiger, und plötzlich wurde immer häufiger Englisch gesprochen.
Von außen betrachtet wirkte das vermutlich nicht besonders dramatisch.
Für mich fühlte es sich anders an.
Das Thema Englisch begleitete mich plötzlich durch den ganzen Tag. Ich dachte vor Meetings darüber nach. Ich dachte abends darüber nach. Und ich hatte ständig die Sorge, irgendwann aufzufallen.
Nicht wegen meiner Arbeit.
Sondern wegen meines Englisch.
Ich fühlte mich ständig unter Beobachtung
Rückblickend war das einer der schwierigsten Aspekte.
Ich hatte das Gefühl, andere würden sofort merken, wie unsicher ich mich fühlte.
Deshalb versuchte ich, Situationen zu vermeiden oder möglichst unauffällig zu bleiben.
Je mehr Druck ich mir machte, desto schwerer wurde das Sprechen.
Und je schwerer das Sprechen wurde, desto mehr Druck entstand.
Dieser Kreislauf erschöpfte mich zunehmend.
Es ging nicht nur um die Sprache
Im Laufe der Gespräche wurde mir klar, dass mein Englisch nicht das eigentliche Problem war.
Natürlich gab es Wörter, die ich nicht kannte.
Natürlich machte ich Fehler.
Aber die größte Belastung entstand durch die Art, wie ich mit mir selbst sprach.
Ich erwartete von mir, souverän zu wirken.
Fehlerlos zu sein.
Keine Unsicherheit zu zeigen.
Und genau diese Erwartungen machten jede Situation schwerer.
Was sich verändert hat
Eine der wichtigsten Veränderungen war, dass ich begann, mich selbst anders wahrzunehmen.
Ich bemerkte, wie streng ich mit mir war.
Und wie wenig Raum ich mir für Unsicherheit ließ.
Langsam entstand etwas mehr Freundlichkeit im Umgang mit mir selbst.
Nicht als Technik.
Sondern als eine andere Haltung.
Was mich überraschte
Lange Zeit hatte ich das Gefühl, dass meine Offenheit und meine Unsicherheit etwas seien, das ich verbergen müsste.
Gerade im Englischen fühlte ich mich oft verletzlich und sichtbar.
Später machte ich jedoch eine überraschende Erfahrung.
Als mir eine neue berufliche Aufgabe angeboten wurde, erfuhr ich, dass internationale Kolleginnen und Kollegen gerade meine Offenheit, meine Freundlichkeit und die Art, wie ich mit Menschen umging, besonders schätzten.
Etwas, das ich lange als Schwäche betrachtet hatte, wurde von anderen ganz anders gesehen.
Rückblickend
Wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, erinnere ich mich vor allem daran, wie viel Angst ich hatte.
Und wie überzeugt ich davon war, dass mein Englisch das eigentliche Problem sei.
Heute sehe ich das differenzierter.
Mein Englisch musste sich entwickeln.
Aber vieles von dem Druck entstand nicht durch die Sprache selbst.
Sondern durch die Vorstellungen, die ich mit ihr verbunden hatte.
Ein Satz eines Kollegen ist mir bis heute in Erinnerung geblieben:
“You were wonderfully imperfect.”
Damals konnte ich darüber kaum lachen.
Heute schon.
Wenn Sie mehr über die möglichen Hintergründe von Englischangst (Angst, Englisch zu sprechen) erfahren möchten, finden Sie hier weitere Informationen:
