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Kann bildhaftes Denken beim Englisch sprechen helfen?

Menschen mit Legasthenie berichten oft von besonderen Erfahrungen mit Sprache.

 

Manche beschreiben, dass Lesen, Schreiben oder das Lernen von Vokabeln mehr Anstrengung erfordert. Gleichzeitig erzählen einige, dass sie sehr bildhaft denken und sich Situationen, Gegenstände oder Geschichten leicht vorstellen können.

 

In meiner Arbeit mit Menschen, die Angst vor dem Englisch sprechen haben, ist mir etwas aufgefallen:

 

Mehrere Klientinnen und Klienten mit Legasthenie schienen beim Sprechen intuitiv auf innere Bilder zurückzugreifen.

Wenn Regeln nicht weiterhelfen

Viele Menschen versuchen, Englisch vor allem über Grammatikregeln, Vokabellisten und Korrektheit zu lernen.

 

Das kann hilfreich sein.

 

Manche Menschen geraten dadurch jedoch in einen Kreislauf aus Nachdenken, Kontrollieren und Selbstkorrektur. Besonders beim freien Sprechen entsteht dann leicht Druck.

 

Bei einigen meiner Klientinnen und Klienten mit Legasthenie schien ein anderer Zugang natürlicher zu sein.

Erst das Bild, dann die Worte

Statt einen deutschen Satz zu formulieren und ihn innerlich zu übersetzen, beschrieben manche zunächst ein inneres Bild.

 

Sie sahen eine Situation vor sich.

Eine Handlung.

Einen Gegenstand.

Eine Erinnerung.

 

Die englischen Worte schienen anschließend leichter zu folgen.

 

Mich hat dabei immer wieder überrascht, wie selbstverständlich dieser Zugang für manche Menschen war.

Eine Stärke, die oft übersehen wird

Viele der Menschen, mit denen ich gearbeitet habe, betrachteten ihr bildhaftes Denken zunächst nicht als Ressource.

 

Sie hatten gelernt, ihre Aufmerksamkeit vor allem auf das zu richten, was ihnen schwerfiel.

 

Deshalb war es manchmal ungewohnt, die eigene Vorstellungskraft als etwas Hilfreiches zu betrachten.

 

Dabei entstand bei einigen eine spürbare Entlastung, sobald sie sich erlaubten, weniger auf perfekte Formulierungen und mehr auf das zu achten, was sie eigentlich ausdrücken wollten.

Nicht jeder denkt auf dieselbe Weise

Natürlich erlebt nicht jeder Mensch mit Legasthenie Sprache gleich.

 

Und nicht jeder Mensch, der bildhaft denkt, hat Legasthenie.

 

Trotzdem finde ich die Beobachtung interessant, dass manche Menschen einen sehr kreativen und anschaulichen Zugang zu Sprache haben — und dass genau dieser Zugang beim Englisch sprechen hilfreich sein kann.

 

Vielleicht geht es dann nicht darum, noch mehr Regeln zu lernen.

 

Vielleicht geht es darum, einer Fähigkeit mehr Raum zu geben, die bereits vorhanden ist.


Wenn Sie mehr über die möglichen Hintergründe von Englischangst (Angst, Englisch zu sprechen) erfahren möchten, finden Sie hier weitere Informationen: