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Hilft mehr Vokabeln lernen wirklich gegen Englischangst?

Viele Menschen mit Englischangst glauben zunächst, dass ihnen vor allem eines fehlt:

 

Mehr Vokabeln.

 

Der Gedanke wirkt nachvollziehbar.

 

Wenn ich mehr Wörter kenne, werde ich sicherer.

 

Und wenn ich sicherer bin, verschwindet vielleicht auch die Angst.

 

Für manche Menschen stimmt das.

 

In meiner therapeutischen Arbeit begegnen mir jedoch immer wieder Menschen, bei denen etwas anderes geschieht.

Wenn Vokabeln Sicherheit versprechen

Viele meiner Klientinnen und Klienten lernen sehr gewissenhaft.

 

Sie schreiben Listen.

 

Sie wiederholen Wörter.

 

Sie bereiten sich intensiv vor.

 

Trotzdem fühlen sie sich beim Sprechen kaum sicherer.

 

Nicht selten entsteht sogar noch mehr Druck.

 

Denn mit jedem neuen Wort wächst auch die Hoffnung:

 

“Vielleicht reicht es jetzt.”

 

Wenn die Angst trotzdem bleibt, entsteht leicht der Eindruck, immer noch nicht genug gelernt zu haben.

 

So beginnt ein Kreislauf, der sehr anstrengend werden kann.

Vielleicht fehlt nicht nur ein Wort

Natürlich gibt es Situationen, in denen ein Wort tatsächlich fehlt.

 

Viele Menschen beschreiben jedoch etwas anderes.

 

Sie kennen das Wort.

 

Sie haben es schon oft verwendet.

 

Doch genau in dem Moment, in dem sie sprechen möchten, scheint es nicht mehr erreichbar zu sein.

 

Dann stellt sich die Frage vielleicht etwas anders.

 

Nicht:

 

“Welche Vokabel fehlt mir?”

 

Sondern:

 

“Was geschieht gerade mit mir?”

Was wäre eigentlich das Schlimmste?

Eine Frage hat sich in meinen Sitzungen immer wieder als hilfreich erwiesen.

 

Nicht, weil sie sofort eine Antwort liefert.

 

Sondern weil sie oft eine neue Richtung eröffnet.

 

Sie lautet:

 

Was wäre eigentlich das Schlimmste, was passieren könnte, wenn Sie Englisch sprechen?

 

Manche Menschen antworten:

 

“Ich könnte mich blamieren.”

 

Andere sagen:

 

“Dann merken alle, dass ich nicht gut genug bin.”

 

Oder:

 

“Ich könnte meinen guten Eindruck verlieren.”

 

Solche Antworten sagen häufig mehr über den inneren Druck aus als über den tatsächlichen Wortschatz.

Wenn Lernen zur Beruhigung werden soll

Vokabeln zu lernen ist sinnvoll.

 

Es kann Freude machen und den sprachlichen Ausdruck erweitern.

 

Schwierig wird es manchmal erst dann, wenn das Lernen eine andere Aufgabe übernehmen soll:

 

Die Angst vollständig verschwinden zu lassen.

 

Denn kein Wortschatz der Welt kann völlige Sicherheit garantieren.

 

Spontane Gespräche bleiben lebendig und unvorhersehbar.

Wie wir damit in der Therapie arbeiten

In meinen Sitzungen geht es deshalb zunächst nicht darum, möglichst schnell mehr Englisch zu sprechen oder mehr Vokabeln zu lernen.

 

Wir versuchen gemeinsam zu verstehen, welche Bedeutung das Lernen für Sie bekommen hat.

 

Soll es Sie unterstützen?

 

Oder soll es verhindern, dass Sie sich unsicher fühlen müssen?

 

Oft verändert sich der Umgang mit dem Englischlernen bereits dann, wenn dieser Unterschied langsam sichtbar wird.

 

Nicht, weil Sie weniger lernen.

 

Sondern weil das Lernen Schritt für Schritt wieder das werden darf, was es ursprünglich war:

 

Eine Möglichkeit, die Sprache zu entdecken — und nicht der Versuch, jede Angst im Voraus auszuschließen.