Flugangst und Englisch Angst: 9 Gemeinsamkeiten

Menschen, die Angst haben, Englisch zu sprechen (sogenannte "Englisch Sprechangst") haben interessanterweise oft auch Flugangst. Die Symptomatik ähnelt sich in diesen Punkten (der dritte ist der wichtigste!):

 

1. Ähnliche Symptome bei beiden Ängsten:

Schweissnasse Hände, Herzrasen, flache Atmung, Magen- und Darmkrämpfe, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Panik sowie das Gefühl, generell "gelähmt" zu sein gehören zu den typischen Symptomen beider Ängste. Auch die Überzeugung, der oder die einzige zu sein, dem es so geht, gehört dazu.

 

2. Verteilung in der Bevölkerung:

15 Prozent aller Deutschen leiden unter Flugangst (Quelle: Allensbach-Institut) und weitere 20 Prozent fühlen ein Unbehagen an Bord. Meiner Einschätzung nach verhält es sich mit Englisch Redeangst ähnlich: Ein Teil der deutschen Bevölkerung hat tatsächlich grosse Angst, Englisch zu reden und vermeidet dies unter allen Umständen. Ein weiterer Teil fühlt sich in Englisch sehr unsicher und unbehaglich. Ich würde schätzen, dass es nur ein Drittel aller Deutschen schafft, ohne ein schlechtes Gefühl Englisch zu reden.

 

3. Angst vor Kontrollverlust:

Dieser Aspekt verbindet beide Ängste im Kern: Im Flugzeug sowie in der Fremdsprache muss man die Kontrolle abgeben, weil man sie einfach nicht mehr hat. Wer damit im Leben generell Probleme hat, bekommt meist auch Probleme an Bord oder in der Fremdsprache.

 

4. Angst vor dem Crash:

Die Angst vor einem Flugzeugabsturz ähnelt im Kern der Angst vor dem Blackout in Englisch: Totaler Absturz, nichts geht mehr und man wird gleichsam vernichtet. Hier spielt auch der Aspekt "Angst vor dem Tod" als Angst vor dem Unbekannten mit hinein: Es ist zutiefst menschlich, das zu fürchten, was man nicht kennt.

 

5. Angst vor der Höhe:

Menschen mit Flugangst stehen gerne mit beiden Beinen auf dem Boden. Menschen mit Englischangst zeigen etwas ähnliches, denn sie verlieren ungern den Kontakt zur Deutschen Sprache: Im Kopf übersetzen sie simultan mit und wollen die sichere deutsche Sprache nicht loslassen. Sie haben Angst davor, einfach ihrem Gefühl zu folgen, dies ähnelt der Angst vor der Höhe im Flugzeug. Beide Ängste weisen die Grundproblematik auf, sicheren Boden zu verlassen und eine Sphäre zu betreten, die nicht der eigenen Natur entspricht.

 

6. Angst vor dem Ausgeliefertsein:

Fliegen bedeutet für Flugangst-Betroffene, dem Können des Piloten und der Sicherheit des Flugzeugs ausgeliefert zu sein. In Englisch empfinden manche Menschen eine ähnliche Angst, denn sie sind der Hilfe oder dem Entgegenkommen des anderen ausgeliefert, der die Sprache besser spricht als man selbst. Auch die Angst vor Spott oder Kritik spielt hier mit hinein. Man ist generell verletzlicher und sichtbarer, wenn man Englisch spricht. Ist man jemand, der sehr sicherheitsorientiert ist und schwer Hilfe von anderen annehmen kann, zeigt sich in der Fremdsprache eine ähnliche Symptomatik wie bei Flugangst.

 

7. Turbulenzen:

Turbulenzen können beim Fliegen, aber auch beim Englisch sprechen auftreten: Plötzlich fehlt ein Wort, oder man verhaspelt sich in der Grammatik oder merkt, dass man einen Fehler gemacht hat - all das kann zu einem Durcheinander führen, bei dem dann alles blockiert und nichts mehr geht. Hier ist ein kreativer Umgang mit solchen Turbulenzen gefragt, denn meist findet das Problem nur im Kopf statt - auch beim Fliegen: Absturz-Szenarien und Blackout-Szenarien ähneln sich sehr. Gelingt es einem, diese Bilder im Kopf abzustellen, wird meist auch die Angst weniger. Hierbei können bestimmte Techniken helfen.

 

8. Stress im privaten oder beruflichen Bereich:

Dies ist ein wichtiger Faktor bei beiden Ängsten, denn Stress verstärkt die Symptome. Betroffene müssen sich anschauen, was sie im Leben stresst und wie sie das ändern können.

 

9. Die Überzeugung, dass die eigene Angst übertrieben ist:

Auch das verbindet beide Ängste: Man hält die eigene Englischangst oder Flugangst für vollkommen übertrieben und unangebracht. Damit kritisiert man sich selbst unbewusst und es zeigt auch eine gewisse Härte gegen sich selbst. Diese Härte ist meist etwas, das man selbst als Kind (seitens der Eltern oder anderer Bezugspersonen) erfahren hat und unbewusst übernommen hat. Wenn es gelingt, ein positiveres Gefühl zu sich selbst - mit seinen Ängsten - zu bekommen, lösen sich oft die Probleme.

 

Zu mir: Ich bin Natalie Marby, Therapeutin in Hamburg (sowie online). Ich arbeite mit Menschen, die sehr grosse Schwierigkeiten haben, Englisch vor anderen zu reden, obwohl sie Englisch gut verstehen. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten: Hier finden Sie weitere Infos zur Therapie bei Englisch Angst.

 

Zum Weiterlesen: Englisch Sprachbarriere: Wurzel ist oft die Geschwister-Rangfolge.

 

Ich schreibe regelmässig über das Thema Psychotherapie & Fremdsprache, hier können Sie meinen Blog abonnieren.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0