Viele Menschen fragen sich:
Warum fühlt sich Englisch sprechen so anders an als Deutsch?
Sprachkenntnisse allein erklären das oft nicht.
Manche Menschen sprechen Englisch durchaus gut – und fühlen sich trotzdem unsicher.
Ein Bild, das ich früher gelegentlich in meiner Arbeit verwendet habe, stammt aus dem Fußball.
Vielleicht hilft es auch heute noch dabei, die Erfahrung etwas greifbarer zu machen.
Die Mannschaft in der Muttersprache
Stellen Sie sich vor, Sie sind Trainer einer Fußballmannschaft.
Vor dem Spiel entscheiden Sie, welche Spieler auf dem Feld stehen.
Sie kennen ihre Stärken.
Sie wissen, wem Sie vertrauen.
Und Sie haben ein gutes Gefühl dafür, wie das Spiel verlaufen könnte.
So ähnlich erleben viele Menschen ihre Muttersprache.
Sie wissen meist recht genau, wie sie wirken.
Sie finden die passenden Worte.
Sie können spontan reagieren.
Und sie haben das Gefühl, die Situation gut steuern zu können.
Die Mannschaft in der Fremdsprache
Beim Englisch sprechen kann sich das anders anfühlen.
Plötzlich stehen nicht mehr dieselben sprachlichen Möglichkeiten zur Verfügung.
Man sucht nach Worten.
Man formuliert einfacher.
Man reagiert langsamer.
Und manchmal entsteht das Gefühl, nicht mehr ganz die gewohnte Kontrolle zu haben.
Natürlich bleibt man dieselbe Person.
Aber man kann sich anders erleben.
Wenn nicht alles planbar ist
Vielleicht liegt genau darin eine der Herausforderungen einer Fremdsprache.
Nicht darin, dass man etwas falsch macht.
Sondern darin, dass man nicht alles im Voraus kontrollieren kann.
Man weiß nicht immer, welche Worte einem einfallen werden.
Man weiß nicht genau, wie man wirken wird.
Man kann sich nicht auf dieselbe sprachliche Sicherheit verlassen wie in der Muttersprache.
Für Menschen, die gern vorbereitet sind oder hohe Ansprüche an sich selbst haben, kann das unangenehm sein.
Mehr Spontanität, weniger Kontrolle
Viele Menschen versuchen deshalb, beim Englisch sprechen noch mehr Kontrolle herzustellen.
Sie überlegen jeden Satz mehrfach.
Sie suchen nach der perfekten Formulierung.
Sie prüfen sich ständig selbst.
Paradoxerweise macht genau das das Sprechen oft schwieriger.
Denn Gespräche leben von einer gewissen Spontaneität.
Nicht jeder Satz kann perfekt geplant werden.
Vielleicht geht es nicht darum, mehr Kontrolle zu gewinnen
Eine interessante Frage lautet deshalb:
Muss ich wirklich alles kontrollieren, um sicher sprechen zu können?
Oder könnte Sicherheit auch entstehen, wenn ich mir erlaube, nicht jeden Satz im Voraus zu kennen?
Für viele Menschen beginnt genau dort eine Veränderung.
Nicht wenn sie jede Unsicherheit beseitigen.
Sondern wenn sie entdecken, dass sie auch mit etwas weniger Kontrolle zurechtkommen.
Und dass ein Gespräch trotzdem gelingen kann.
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