Wenn Menschen über ihre Schwierigkeiten mit dem Englischsprechen sprechen, erzählen sie manchmal auch von ihren Geschwistern.
Von Rivalität.
Von Vergleichen.
Von Nähe.
Von Konkurrenz.
Oder davon, sich lange Zeit nicht gesehen oder nicht ernst genommen gefühlt zu haben.
Natürlich entsteht Englischangst nicht einfach durch eine Geschwisterbeziehung.
Trotzdem habe ich im Laufe meiner Arbeit immer wieder beobachtet, dass frühe Erfahrungen mit Geschwistern manchmal interessante Hinweise darauf geben können, wie Menschen heute mit Unsicherheit, Fehlern oder Vergleichen umgehen.
Wenn Vergleiche früh begonnen haben
Viele Geschwister wachsen mit Vergleichen auf.
Wer ist schneller?
Wer ist klüger?
Wer bekommt die bessere Note?
Wer kann etwas schon besser?
Oft geschieht das ganz unabsichtlich.
Manche Menschen entwickeln daraus einen starken inneren Druck, mit anderen mithalten zu müssen.
Beim Englischsprechen kann sich dieser Druck bemerkbar machen.
Nicht unbedingt, weil die Sprachkenntnisse fehlen.
Sondern weil jede Unsicherheit sofort das Gefühl auslöst, zurückzufallen oder nicht zu genügen.
Wenn Sprache mit Scham verbunden war
Manche Menschen erinnern sich daran, wegen Fehlern ausgelacht worden zu sein.
Andere erinnern sich an Situationen, in denen sie sich sprachlich unterlegen gefühlt haben.
Wieder andere haben keine konkrete Erinnerung, kennen aber das Gefühl, sich beim Sprechen schnell klein oder unsicher zu fühlen.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Ursache in der Geschwisterbeziehung liegt.
Es kann jedoch hilfreich sein, aufmerksam zu werden, wenn ähnliche Gefühle heute wieder auftauchen.
Wenn es schwar war, den eigenen Platz zu finden
Geschwisterbeziehungen können wunderschön sein.
Sie können aber auch kompliziert sein.
Manche Menschen hatten das Gefühl, ständig um Aufmerksamkeit kämpfen zu müssen.
Andere versuchten, Konflikte zu vermeiden.
Wieder andere lernten früh, sich anzupassen.
Solche Erfahrungen verschwinden nicht unbedingt vollständig.
Manchmal zeigen sie sich später in Situationen, in denen wir uns sichtbar machen müssen — beispielsweise beim Sprechen einer Fremdsprache.
Es geht nicht um Schuld
Wenn wir auf frühe Erfahrungen schauen, geht es nicht darum, jemanden verantwortlich zu machen.
Geschwister waren selbst Kinder.
Eltern haben meist ihr Bestes gegeben.
Und Familien sind oft komplexer, als einfache Erklärungen vermuten lassen.
Es geht vielmehr darum zu verstehen, welche Erfahrungen uns geprägt haben könnten.
Nicht um Schuld.
Sondern um Verständnis.
Warum frühe Beziehungen so prägend sein können
Als Kind ist die eigene Welt noch klein.
Familie, Schule, Nachbarschaft und Freundschaften bilden oft den größten Teil der erlebten Wirklichkeit.
Deshalb können Erfahrungen aus dieser Zeit eine besondere Bedeutung bekommen.
Nicht weil sie unser ganzes Leben bestimmen.
Sondern weil sie oft die ersten Erfahrungen sind, durch die wir lernen, wie wir mit Nähe, Unsicherheit, Anerkennung oder Vergleich umgehen.
Manchmal lohnt es sich deshalb, diese frühen Erfahrungen nicht als Erklärung für alles zu betrachten.
Aber vielleicht als einen von vielen möglichen Blickwinkeln auf das, was heute noch spürbar ist.
Wenn Sie mehr über die möglichen Hintergründe von Englischangst (Angst, Englisch zu sprechen) erfahren möchten, finden Sie hier weitere Informationen:
