Viele Menschen erleben beim Englisch sprechen deutlich stärkere Reaktionen, als sie selbst erwarten würden.
Sie wissen, dass es “nur” ein Gespräch, eine Präsentation oder ein Meeting ist – und trotzdem fühlen sie sich unter Druck, angespannt oder überfordert.
Im Laufe meiner Arbeit mit Fremdsprachenangst bin ich immer wieder bestimmten Lebenserfahrungen begegnet.
Das bedeutet nicht, dass diese Erfahrungen zwangsläufig zu Englischangst führen.
Und es bedeutet auch nicht, dass Englischangst immer mit der Vergangenheit zusammenhängt.
Dennoch können solche Zusammenhänge manchmal interessant sein.
1. Frühe Erfahrungen von Überforderung
Manche Menschen mussten schon als Kinder viel Verantwortung übernehmen.
Vielleicht durch schwierige familiäre Umstände oder belastende Lebenssituationen.
Wenn eine Fremdsprache später Unsicherheit auslöst, berichten manche Betroffene von einem vertrauten Gefühl:
Nicht gut genug vorbereitet zu sein.
Nicht zu wissen, wie man die Situation bewältigen soll.
Mit etwas konfrontiert zu sein, das größer wirkt als man selbst.
2. Erfahrungen mit Grenzverletzungen
Einige Menschen haben in ihrem Leben erlebt, dass ihre Bedürfnisse, Gefühle oder Grenzen wenig Raum hatten.
Solche Erfahrungen können dazu führen, dass Situationen, in denen man sich verletzlich fühlt, besonders belastend erlebt werden.
Eine Fremdsprache kann manchmal genau dieses Gefühl von Verletzlichkeit hervorrufen.
Nicht weil die Sprache gefährlich wäre.
Sondern weil man sich weniger sicher und weniger kontrolliert fühlt als sonst.
3. Aufwachsen in einem Umfeld hoher Anspannung
Menschen, die in ihrer Kindheit viel Unsicherheit oder Unvorhersehbarkeit erlebt haben, entwickeln häufig eine besondere Wachsamkeit.
Sie beobachten genau, was um sie herum geschieht.
Sie versuchen, Fehler zu vermeiden.
Sie möchten vorbereitet sein.
Beim Englisch sprechen kann dies dazu führen, dass jede Form von Unsicherheit besonders unangenehm erlebt wird.
4. Erfahrungen mit Trennung oder Verlust
Manche Menschen berichten von einem starken Bedürfnis nach Sicherheit, Kontrolle oder Vorhersehbarkeit.
Wenn wichtige Beziehungen in der Kindheit von Trennung, Verlust oder Instabilität geprägt waren, kann das nachvollziehbar sein.
Eine Fremdsprache bringt jedoch oft genau das mit sich, was schwer auszuhalten ist:
Nicht alles sofort zu verstehen.
Nicht zu wissen, was als Nächstes kommt.
Nicht vollkommen vorbereitet zu sein.
5. Erfahrungen von Zugehörigkeit und Ausgrenzung
Viele Menschen mit Englischangst beschreiben eine große Sorge, negativ bewertet oder ausgeschlossen zu werden.
Diese Sorge muss nicht zwangsläufig mit der Vergangenheit zusammenhängen.
Manchmal lohnt es sich jedoch zu fragen, welche Erfahrungen jemand mit Zugehörigkeit gemacht hat.
Fühlte man sich willkommen?
Musste man sich anpassen?
War die Zustimmung anderer besonders wichtig?
Solche Fragen können helfen, die eigene Reaktion besser zu verstehen.
Es geht nicht darum, eine Ursache zu finden
Nicht jede Englischangst hat ihren Ursprung in der Kindheit.
Nicht jede belastende Erfahrung hinterlässt langfristige Spuren.
Und nicht jede Verbindung, die wir herstellen können, ist automatisch bedeutsam.
Trotzdem kann es hilfreich sein, offen dafür zu bleiben, dass unsere Reaktionen oft eine Geschichte haben.
Manchmal entsteht Entlastung nicht dadurch, dass wir eine eindeutige Ursache finden.
Sondern dadurch, dass wir unsere Erfahrung etwas besser verstehen.
Und uns selbst mit etwas mehr Mitgefühl begegnen.
Wenn Sie mehr über die möglichen Hintergründe von Englischangst erfahren möchten, finden Sie hier weitere Informationen:

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Liane (Freitag, 22 September 2023 15:04)
Ich bin echt überrascht das meine Hemmung vielleicht echt was mit dem Tod meines Vaters zu tun haben könnte...
Ich bin eigentlich Zweisprachig aufgewachsen. Seit dem Tod meines Drogenabhängigen Vaters leben wir in Deutschland.
In der Schule war mir Englisch immer ein Graus und war froh das ich es in meinem Leben nie wieder brauchte.
Jetzt fange ich ein Studium an und leider brauche ich jetzt doch Englisch. Diese Gefühle in mir sind einfach unbeschreiblich... so eine Angst, es ist kaum zu ertragen.
Natalie Marby (Montag, 25 September 2023 13:24)
Liebe Liane,
ich bin die Autorin dieses Blogs und habe Ihren Kommentar gelesen. Wenn Sie Hilfe für dieses Problem suchen, können Sie mich gerne über das Kontaktformular auf dieser Website anschreiben. Es passiert manchmal, dass Betroffene versehentlich einen Blogbeitrag kommentieren, weil sie es mit dem Kontaktformular verwechseln.
Viele Grüße,
Natalie Marby