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Warum sich Englisch plötzlich persönlich anfühlen kann

Viele Menschen beschreiben ein ähnliches Erlebnis:

 

Solange Englisch nur ein Schulfach, ein Werkzeug oder eine berufliche Anforderung ist, scheint alles überschaubar.

 

Doch sobald sie tatsächlich sprechen sollen, verändert sich etwas.

 

Plötzlich geht es nicht mehr nur um Wörter oder Grammatik.

 

Es fühlt sich persönlich an.

 

Man fühlt sich sichtbarer.

Unsicherer.

Verletzlicher.

 

Und oft fragt man sich:

 

“Warum berührt mich das so sehr?”

Es geht oft um mehr als die Sprache

Wer Schwierigkeiten beim Englisch sprechen erlebt, vermutet häufig zunächst, dass die Ursache in den Sprachkenntnissen liegt.

 

Man kennt nicht genug Vokabeln.

Man spricht nicht flüssig genug.

Man macht zu viele Fehler.

 

Natürlich können solche Faktoren eine Rolle spielen.

 

Doch in meiner Arbeit ist mir immer wieder aufgefallen, dass viele Menschen deutlich mehr Englisch können, als sie glauben.

 

Trotzdem fühlen sie sich beim Sprechen angespannt, gehemmt oder unter Druck.

 

Die Schwierigkeit scheint also oft nicht allein in der Sprache zu liegen.

Die Aufmerksamkeit richtet sich plötzlich auf einen selbst

In der Muttersprache bewegen wir uns meist auf vertrautem Boden.

 

Wir wissen, wie wir etwas ausdrücken möchten.

Wir können spontan reagieren.

Wir fühlen uns sicherer.

 

In einer Fremdsprache fällt ein Teil dieser Selbstverständlichkeit weg.

 

Viele Menschen beginnen dann, sich selbst sehr genau zu beobachten.

 

Wie wirke ich gerade?

 

War dieser Satz richtig?

 

Habe ich mich verständlich ausgedrückt?

 

Klinge ich kompetent genug?

 

Die Aufmerksamkeit verschiebt sich dadurch häufig vom Gespräch auf die eigene Person.

 

Und genau das kann das Sprechen anstrengend machen.

Gefühle scheinen näher an der Oberfläche zu liegen

Ein weiteres Phänomen, das viele Menschen beschreiben:

 

Gefühle wirken in einer Fremdsprache oft unmittelbarer.

 

Scham.

Unsicherheit.

Nervosität.

Manchmal sogar Ärger oder Traurigkeit.

 

Warum das so ist, weiß ich nicht sicher.

 

Ich habe es jedoch oft beobachtet.

 

Vielleicht liegt es daran, dass eine Fremdsprache weniger vertraut ist.

 

Vielleicht daran, dass wir langsamer werden und dadurch mehr wahrnehmen.

 

Vielleicht gibt es noch andere Gründe.

 

Was auch immer die Erklärung sein mag:

 

Viele Menschen erleben, dass das Sprechen einer Fremdsprache sie emotional stärker berührt, als sie erwartet hätten.

Es entsteht leicht das Gefühl, bewertet zu werden

Wenn wir uns unsicher fühlen, beginnen wir oft zu vermuten, dass andere Menschen jede Unsicherheit ebenfalls wahrnehmen.

 

Dann entsteht schnell der Eindruck, beobachtet oder bewertet zu werden.

 

Interessanterweise berichten viele Menschen später etwas anderes:

 

Dass andere viel weniger kritisch waren, als sie angenommen hatten.

 

Dass Fehler oft gar nicht auffielen.

 

Oder dass das Gegenüber vor allem an der Unterhaltung interessiert war.

 

Nicht an der Perfektion.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum Englisch manchmal so persönlich wirkt

Eine Fremdsprache konfrontiert uns oft mit Bereichen, die im Alltag sonst verborgen bleiben.

 

Mit Unsicherheit.

 

Mit Unvollkommenheit.

 

Mit dem Wunsch, verstanden zu werden.

 

Und manchmal auch mit der Frage, ob wir uns zeigen dürfen, obwohl wir nicht perfekt sind.

 

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum Englisch für manche Menschen weit mehr ist als nur eine Sprache.

 

Nicht weil mit ihnen etwas nicht stimmt.

 

Sondern weil Sprache manchmal näher an unsere Gefühle heranführt, als wir erwarten.

 

Und vielleicht beginnt genau dort ein anderer Umgang mit Englisch:

 

Nicht indem man versucht, jede Unsicherheit loszuwerden.

 

Sondern indem man offener und interessierter wird für das, was die Unsicherheit zeigen möchte.


Wenn Sie mehr über die möglichen Hintergründe von Englischangst (Angst, Englisch zu sprechen) erfahren möchten, finden Sie hier weitere Informationen: