Es ist bemerkenswert, mit welchem Anspruch viele Deutsche eine Fremdsprache sprechen möchten. Das Englisch soll möglichst fehlerfrei, flüssig und souverän klingen. Dabei beobachte ich immer wieder, dass sich Menschen für ihr vermeintlich „schlechtes“ Englisch schämen.
Ich habe mich im Laufe der Jahre oft gefragt, ob dies teilweise ein kulturelles Phänomen sein könnte. Natürlich ist das schwer zu beantworten. Dennoch fällt mir auf, dass viele Deutsche beim Englisch sprechen unter deutlich mehr Druck stehen, als es eigentlich nötig wäre.
Wenn man Kindern beim Erlernen ihrer Muttersprache zusieht, entdeckt man ebenfalls einen Wunsch, Dinge richtig zu machen. Gleichzeitig scheint dieser Wunsch oft von Neugier und Spielfreude begleitet zu sein. Erwachsene erleben Fehler dagegen häufig als etwas, das vermieden werden muss.
Auch im internationalen Vergleich habe ich manchmal den Eindruck, dass Menschen aus anderen Ländern entspannter mit sprachlichen Fehlern umgehen. Viele freuen sich darüber, überhaupt in einer Fremdsprache kommunizieren zu können. Deutsche hingegen neigen nicht selten dazu, sich auf die eigenen Fehler zu konzentrieren.
"Ich muss perfekt sein"
Früher dachte ich, dies liege vor allem daran, dass Englisch heute eine internationale Geschäfts- und Verkehrssprache ist. Wer beruflich erfolgreich sein möchte, hat oft das Gefühl, auch sprachlich überzeugen zu müssen.
Heute frage ich mich eher, ob hinter Englischhemmungen unterschiedliche persönliche Erfahrungen stehen können. Manche Menschen scheinen zu befürchten, nur dann ernst genommen zu werden, wenn sie möglichst fehlerfrei sprechen. Für andere fühlt sich jeder Fehler wie ein kleiner Beweis des eigenen Versagens an.
Vielleicht steckt hinter der Angst vor Fehlern manchmal mehr als nur die Sprache selbst.
Was ist so schlimm daran, Fehler in einer fremden Sprache zu machen?
Die Vorstellung, keine Fehler machen zu dürfen, kann das Sprechen erheblich erschweren. Wer ständig kontrolliert, ob jeder Satz korrekt ist, verliert leicht den Kontakt zum eigentlichen Gespräch.
Dabei ist Sprache vor allem eine Möglichkeit, sich mit anderen Menschen zu verbinden. Wer eine Fremdsprache spricht, bewegt sich automatisch in einem Bereich, in dem Missverständnisse und Fehler dazugehören.
Oft braucht es deshalb auch die Bereitschaft des Gegenübers, mitzudenken, nachzufragen oder zu helfen. Und genau darin liegt eine oft übersehene Chance: Kommunikation muss nicht perfekt sein, um zu funktionieren.
Vielleicht erinnern Sie sich an eine Situation, in der Sie jemandem geholfen haben, ein Wort zu finden oder sich verständlich zu machen. Solche Momente werden häufig eher als menschlich und sympathisch erlebt als als peinlich.
"Ja gut – aber im Beruf kann ich mir keine Englischfehler erlauben!"
Gerade im beruflichen Umfeld haben viele Menschen Sorge, durch sprachliche Fehler unprofessionell zu wirken.
Eine Möglichkeit besteht darin, Unterstützung anzunehmen, wenn man sie braucht. Wenn Ihnen ein Wort fehlt, können Sie beispielsweise Kollegen um Hilfe bitten. Manchmal kennt er oder sie das Wort, manchmal auch nicht.
In vielen Teams wird eine solche Situation deutlich entspannter aufgenommen, als man selbst erwartet. Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil: Es kann Offenheit und Zusammenarbeit fördern.
Wer lernt, mit sprachlichen Unsicherheiten etwas gelassener umzugehen, erlebt oft, dass Englisch nicht nur leichter wird, sondern auch deutlich weniger Druck erzeugt.
Wenn Sie mehr über die möglichen Hintergründe von Englischangst erfahren möchten, finden Sie hier weitere Informationen:
