"Englisch sprechen ist mir peinlich - was kann ich tun?"

Ich werde immer hellhörig, wenn ich von Neukunden diesen Satz höre. Hinter dem harmlosen Wort "peinlich" steckt nämlich meist eine tiefe Angst, und manchmal auch etwas ganz anderes als "nur" die Angst vor Englisch. Lesen Sie hier, was aus meiner Sicht dahintersteckt:

Englisch sprechen bedeutet Kontrollverlust

Menschen haben heute (leider) vor sehr vielen Dingen Angst und gleichzeitig sind sie immer größerem Druck ausgesetzt. Eine unterdrückte Angst verschafft sich in Englisch oft einfach nur Luft. Sich in einer fremden Sprache auszudrücken stellt eine Art Kontrollverlust dar und ähnelt somit dem Fliegen und der Flugangst. Auch Höhenangst, Prüfungsangst oder bestimmte Tierphobien haben manchmal (nicht immer) mit Kontrollverlust zu tun. Englisch zu sprechen bedeutet deshalb einen Kontrollverlust, weil man die Sprache nicht so perfekt beherrscht wie Deutsch und nicht zu hundert Prozent sicher im Sattel sitzt.

 

Was muss kontrolliert werden?

Wenn ich feststelle, dass der Grund für Englisch Hemmungen in der Angst vor Kontrollverlust liegt, gehe ich meist wie folgt vor: Ich kläre zunächst, was da so genau kontrolliert werden muss - das Bild nach außen, die eigene Grenze gegenüber anderen Menschen, das, was man freiwillig von sich preisgibt oder vielleicht Gefühle, die man anderen nicht zeigen will? All dies können Gründe dafür sein, dass Menschen die Kontrolle über eine Situation haben möchten, vor allem im Job. Manchmal liegen die Gründe für Angst vor Kontrollverlust auch in der Kindheit.

 

Wieder die Kontrolle gewinnen:

Als nächstes trainiere ich mit diesen Menschen, wie sie trotz Fremdsprache (und einem vermeintlichen Handicap) wieder die Kontrolle über die Situation gewinnen können. Das kann man sehr gut üben. Denn nur, weil Sie eine fremde Sprache sprechen, heisst das nicht, dass Sie ausgeliefert sind oder Situationen nicht mehr steuern können. Der Trick ist, Kontrolle nicht nur über die Sprache erlangen zu wollen. Sprache ist heute in der Arbeitswelt das Mittel der Wahl, um die Kontrolle zu behalten. Zum Beispiel kann man sich Menschen vom Leib halten, indem man viel redet, denn viel Reden verhindert Nähe.

 

Trotz Englisch nicht die Kontrolle verlieren:

Welche anderen Möglichkeiten außer der Sprache gibt es, um Situationen zu kontrollieren? Das ist von Mensch zu Mensch verschieden und stellt einen wichtigen Aspekt in meiner Arbeit dar. Ein Meeting auf Englisch zu leiten erfordert beispielsweise die Fähigkeit, eine Diskussion zielführend zu moderieren und damit auch zu kontrollieren. Sie können aber für das Wort "kontrollieren" auch "fördern" einsetzen und schon ergibt sich ein ganz anderer Blickwinkel: Eine Diskussion zielführend zu fördern kann auch mit wenigen, einfachen Worten stattfinden. Wenn Sie in Englisch das Motto "weniger ist mehr" verfolgen, werden Sie erstaunliche Erfahrungen machen, die Sie zu Beginn vielleicht als peinlich empfinden. Das legt sich aber nach kurzer Zeit. Viele meiner Kunden müssen erst durch diese Erfahrung lernen, dass sie auch in Englisch nicht die Kontrolle verlieren und trotz einfacher Sätze, manchmal fehlenden Worten und einem generellen Gefühl der Peinlichkeit dennoch felsenfest im Sattel sitzen können - das ist absolut kein Widerspruch.

 

Zu mir: Ich bin Natalie Marby, Therapeutin und zweisprachig (halbenglisch, halbdeutsch). Ich arbeite mit Menschen, die grosse Probleme mit Englisch haben, was meist auf psychische Ursachen zurückzuführen ist. Ich biete eine spezielle Therapie zur Überwindung von Englischangst, Englischphobie und Sprechpanik. Hier erfahren Sie mehr über mich und meine Englischangst Therapie.

 

Zum Weiterlesen: Wie entsteht eine Barriere, Englisch zu sprechen?

 

Ich schreibe regelmässig über das Thema Psychotherapie & Fremdsprache, hier können Sie meinen Blog abonnieren.

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