Viele Menschen mit Englischangst kennen diesen Gedanken:
„Alle anderen schaffen das. Nur ich nicht.“
Gerade im Berufsalltag kann dieser Eindruck sehr überzeugend wirken.
In Meetings sprechen Kolleginnen und Kollegen scheinbar mühelos Englisch.
Niemand wirkt besonders nervös.
Niemand scheint nach Worten zu suchen.
Und irgendwann entsteht das Gefühl:
Mit mir stimmt etwas nicht.
Wir vergleichen unser Inneres mit dem Äußeren anderer
Das Schwierige an solchen Vergleichen ist:
Wir kennen meist nur unsere eigene innere Erfahrung.
Die Anspannung.
Die Selbstzweifel.
Die Angst, einen Fehler zu machen.
Von den anderen sehen wir dagegen vor allem das, was nach außen sichtbar wird.
Wie sie tatsächlich innerlich erlebt haben, wissen wir oft gar nicht.
Dennoch ziehen viele Menschen daraus den Schluss, sie seien die Einzigen mit Schwierigkeiten.
Manchmal geht es um mehr als Englisch
In meinen Sitzungen begegnet mir immer wieder ein Gedanke, der zunächst gar nichts mit Sprache zu tun zu haben scheint.
“Vielleicht gehöre ich eigentlich gar nicht hierher.”
Manche Menschen erleben eine starke Sorge, den eigenen Arbeitsplatz nicht wirklich verdient zu haben.
Solange alles gut läuft, bleibt diese Sorge oft im Hintergrund.
Müssen sie plötzlich Englisch sprechen, scheint genau dieser Moment ihre schlimmste Befürchtung zu bestätigen.
Nicht, weil sie tatsächlich ungeeignet wären.
Sondern weil Englisch zu einer Art Beweis werden soll.
Sichtbar werden kann sich ungewohnt anfühlen
Andere Menschen erleben etwas ganz anderes.
Sie fühlen sich durch das Englischsprechen plötzlich ungewöhnlich sichtbar.
Gerade eher zurückhaltende oder introvertierte Menschen beschreiben manchmal das Gefühl, sich nicht mehr so gut schützen zu können wie in ihrer Muttersprache.
Nicht selten entsteht dadurch zusätzlicher Druck.
Dabei sagt diese Erfahrung nichts darüber aus, wie kompetent oder geeignet jemand ist.
Sie beschreibt lediglich, wie sich diese Situation innerlich anfühlt.
Vielleicht hilft ein anderer Vergleich
Statt sich immer wieder mit anderen zu vergleichen, kann eine andere Frage hilfreicher sein:
Was geschieht eigentlich in mir, wenn ich Englisch sprechen soll?
Welche Gedanken tauchen auf?
Welche Gefühle?
Welche Erwartungen richten Sie an sich selbst?
Oft entsteht aus diesen Fragen ein viel verständlicheres Bild als aus jedem Vergleich mit anderen Menschen.
Wie wir damit in der Therapie arbeiten
In meinen Sitzungen versuchen wir deshalb nicht, möglichst schnell selbstbewusster zu wirken als andere.
Wir schauen gemeinsam darauf, was Ihre ganz persönliche Erfahrung mit dem Englischsprechen ausmacht.
Welche Gedanken entstehen?
Welche Situationen lösen besonders viel Druck aus?
Und warum fühlt sich genau dieser Moment für Sie so belastend an?
Viele Menschen erleben, dass sich der ständige Vergleich mit anderen langsam löst, wenn sie beginnen, ihre eigene Erfahrung besser zu verstehen.
Nicht, weil sie plötzlich perfekt Englisch sprechen.
Sondern weil sie sich nicht mehr ausschließlich durch den Blick auf andere beurteilen.
