Was tun, wenn der Mitarbeiter besser Englisch spricht als der Chef?

Englisch können und Englisch abrufen sind zwei völlig verschiedene Dinge. Und so kann es sein, dass einem die jüngeren Kollegen in Sachen Englisch den Rang ablaufen. Wie reagiert man als Vorgesetzter, wenn die eigenen Mitarbeiter besser Englisch sprechen als man selbst? Hier mein Rat:

"Was für eine Blamage..."

Sie sitzen im Meeting und haben die Moderatorenrolle und wollen die internationalen Gäste auf Englisch begrüssen. Mitten im Satz bleiben Sie stecken, Ihnen fallen die einfachsten Vokabeln nicht mehr ein, Sie stammeln und stottern und wollen nur noch im Boden versinken vor Scham. Denn um Sie herum sitzen Ihre Mitarbeiter, die allesamt fliessend und souverän Englisch sprechen. "Was für eine Blamage...! " ist da wohl Ihr erster Gedanke. Aber eine solche Selbstkritik ist völlig unnötig. Lesen Sie im nächsten Abschnitt, wie Sie solche Situationen mental gut meistern:

 

Kehren Sie die Sachlage gedanklich um:

Stellen Sie sich vor, Sie sässen mit Ihrem Chef in einem solchen Meeting und Ihr Englisch wäre sehr gut und das Ihres Chefs nicht so. Wie würden Sie reagieren? Vermutlich würden Sie das davon abhängig machen, ob Sie Ihren Chef mögen oder nicht. Denn wenn Sie ihn mögen, wäre es Ihnen vermutlich egal. Vielleicht fänden Sie es sogar ganz sympathisch, dass ihm ein bisschen Sprechpraxis fehlt und er zur Abwechslung ein bisschen unsicher wirkt. Aber wenn Sie ihn nicht mögen, werden Sie sich wahrscheinlich insgeheim freuen, dass er endlich mal einen auf den Deckel kriegt. Dieses Gedankenexperiment führt zum nächsten, wichtigen Punkt:

 

Wenn es Sie stört, dass Ihre Mitarbeiter besser Englisch sprechen als Sie, dann stimmt etwas in Ihrem Team nicht

Sie können ein solches Unsicherheitsgefühl als Warnsignal für ein unterschwelliges Problem im Team sehen: Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre Mitarbeiter einen (wie auch immer gearteten) Vorteil daraus ziehen, dass Ihr Englisch nicht so gut ist, dann gibt es hier ein Teamproblem, denn Ihre Mitarbeiter sollten hinter Ihnen stehen und Sie jederzeit unterstützen. Natürlich sollen und müssen Sie als Chef mit gutem Beispiel vorangehen, aber holperiges Englisch ist kein Drama und passiert jedem mal. Sie können ein Vorbild sein, indem Sie damit gelassen und humorvoll umgehen - Englisch lernt man an einem Wochenende, gute Teamführung jedoch nicht.

 

Mein Rat: Nehmen Sie Ihren eigenen Führungsstil unter die Lupe

Anstatt krampfhaft an Ihrem Englisch zu arbeiten, sollten Sie sich lieber fragen, wie Ihre Grundeinstellung gegenüber Ihren Mitarbeitern ist: Führen Sie autoritär oder mit Vertrauen? Helfen sie Ihren Mitarbeitern, wenn diese mal Schwäche zeigen oder Fehler machen? Sehen Sie eher die Stärken in Ihren Mitarbeitern als Ihre Schwächen? In einem guten Team sollte es kein Problem sein, wenn der Chef mal etwas nicht kann - das ist im Prinzip wie in einer Familie: Wenn der Sohn am Computer besser ist als der Papa, ist das schliesslich auch kein Weltuntergang.

 

Zu mir: Ich bin Natalie Marby, Therapeutin und zweisprachig. Meine Praxis ist in Hamburg, ich arbeite jedoch auch online und am Telefon. Mein Schwerpunkt ist die sogenannte "Fremdsprachenangst" (Xenoglossophobie), d.h. die krankhafte Angst, Englisch vor anderen Menschen zu sprechen. Hier finden Sie weitere Informationen: Therapie bei Englischpanik.

 

Zum Weiterlesen: Das richtige Mindset beim Englisch sprechen ist der Schlüssel zum Erfolg.

 

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