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Wer beruflich gut Englisch sprechen will, muss raus aus der Schülerhaltung

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In der Schule mussten wir dem Lehrer ein korrektes Englisch liefern und hinnehmen, dass Fehler von ihm negativ bewertet wurden. Später im Job ist diese Haltung jedoch fatal - lesen Sie hier, warum:

Viele Menschen geben beim Englisch reden die Bewertungsmacht ab und werden dadurch innerlich wieder zum Schüler

In der Schule gab es einen "Boss" (den Lehrer) und eine ganze Ansammlung von "Mitarbeitern" (den Schülern). Der Lehrer sagte, was zu tun ist und die Schüler folgten und gaben ihr Bestes. Wenn sie nicht ihr Bestes gaben, wurden sie negativ bewertet. Was ich bei vielen Menschen beobachte, ist, dass sie später nie richtig aus dieser Schülerhaltung herauskommen, wenn es um Englisch geht. Sprich: Sie agieren immer noch so, als gäbe es einen Lehrer (oft ist das dann der Vorgesetzte), der einen bewerten kann, bloßstellen kann oder angeblich schlecht von einem denkt, wenn man einen Fehler macht. In der Schule konnte man sich nicht hinstellen und sagen: "Mein Englisch ist gut genug!", denn die Bewertungsmacht lag beim Lehrer und nicht bei einem selbst. An diesem Punkt muss man mental ansetzen, wenn man beruflich wirklich gut Englisch sprechen will.

Perfektes Englisch macht einen Mitarbeiter nicht kompetenter

Beruflich richtig gut Englisch zu sprechen bedeutet nicht, "fehlerfrei" Englisch zu sprechen. Denn das ist für die meisten Jobs vollkommen irrelevant. Natürlich ist es beeindruckend, wenn jemand in feinstem britischen Englisch anspruchsvolle Satzkombinationen raushaut. Aber die Frage ist: Ist dieser Mensch deshalb kompetenter? Macht er seinen Job deshalb besser? Wenn Sie jetzt vorschnell "Ja" antworten, dann fragen Sie sich bitte unbedingt, worin diese Kompetenz denn liegt? Und worin der Zusammenhang zu dem perfekten Englisch liegt? Oft wirken Deutsche, die perfekt Englisch sprechen, sehr einschüchternd auf andere. Oft sind sie auch zu sehr auf ihr perfektes Englisch konzentriert, wohl wissend, welchen Eindruck sie damit bei anderen machen. All das macht einen Menschen eher schlechter in seinem Job, denn meist ist es ja die zwischenmenschliche Komponente, die darüber entscheidet, ob wir erfolgreich sind oder nicht. 

Viele Führungskräfte werden beim Englisch sprechen plötzlich wieder zu Schülern

Besonders für Führungskräfte ist die Schülerhaltung fatal: Als Führungskraft muss man andere Menschen führen, mutige Entscheidungen treffen und dabei Sicherheit ausstrahlen. Die meisten Führungskräfte sind dem gewachsen, solange sie Deutsch reden. Wenn sie jedoch Englisch sprechen müssen, gerät die Führungskompetenz bei manchen ins Wanken, denn sie "rutschen" quasi zurück in die Schulbank. In einer Präsentation würde das dann zum Beispiel so aussehen, dass eine Führungskraft, sobald sie Englisch redet, unsicher wirkt, weil sie glaubt, Grammatikfehler zu machen. Diese Unsicherheit ist fatal, denn sie vermittelt einen schwachen, unentschiedenen und unsouveränen Eindruck.

Die Lösung: Man muss sich die Bewertungsmacht zurückholen

Wir sind nicht mehr in der Schule und es gibt keinen Lehrer, der einen bewerten kann. Die einzige Person, die eine Bewertung zulassen kann, sind Sie selbst. Niemand verliert seinen Job, weil er keinen kompletten englischen Satz zustande bringt. Das einzige, was Ihr Chef Ihnen vermutlich raten wird, ist, einen Englischkurs zu besuchen oder sich diese Fähigkeiten sonst irgendwie anzueignen. Jeder hat beim Englisch reden mal klein und unsicher angefangen - jeder! Englisch ist eine einfache Sprache, und man kann sie theoretisch an einem Wochenende lernen. Man muss jedoch den Anspruch aufgeben, "fehlerfrei" zu sprechen. Im wahren Leben sind die Fehler aus der Schulzeit keine Fehler mehr! Das ist die wichtigste Erkenntnis, um aus der Schülerhaltung herauszukommen.

Englischfehler sind im Job vollkommen normal und absolut unwichtig

Es ist völlig irrelevant, ob Sie beim Englisch sprechen die richtige Zeitform verwenden oder das richtige Wort. Wichtig ist nur, dass Sie Ihr berufliches Können auch auf Englisch vermitteln können. Selbst in Berufen, in denen Sprache wichtig ist, wie zum Beispiel als Rechtsanwalt oder als Kundenberater, sind Sie nicht darauf angewiesen, fehlerfrei Englisch zu sprechen, um gut in Ihrem Job zu sein. Sie denken es nur, weil Sie innerlich noch in der Schülerhaltung feststecken.

Hier ist eine Übung, um aus der Schülerhaltung herauszukommen:

Mit Hilfe dieser Übung können Sie lernen, Ihren Fokus zu verlagern, so dass Sie selbstsicherer und freier Englisch reden können: Überlegen Sie sich, was man in Ihrem Beruf braucht, um Erfolg zu haben. Dies können zum Beispiel folgende Dinge sein:

  • Organisationstalent
  • Menschenkenntnis
  • Zahlensicherheit
  • Verhandlungsgeschick
  • Teamfähigkeit
  • usw.

Erstellen Sie eine Liste von ca. 10 Kriterien für Ihren Job. Setzen Sie bitte nicht "Fließendes Englisch" auf diese Liste, denn das ist nur ein Skill, der nicht über Ihren Erfolg entscheidet. Wenn Sie die Liste fertig haben, denn gehen Sie sie Punkt für Punkt mit der folgenden Fragestellung durch:

 

Ist ein Mensch, der fehlerfrei Englisch redet, in diesem Punkt erfolgreicher als ich? Wenn ja: Warum?

 

Sie werden sehr schnell merken, dass fehlerfreies Englisch Sie in keinem einzigen Punkt wirklich erfolgreicher macht. Es mag sein, dass perfektes Englisch zum Beispiel bei Kunden sehr beeindruckend wirkt, aber kein Kunde wird mit Ihnen zusammenarbeiten, nur weil Ihr Englisch so gut ist. Im Gegenteil: Jemand, dem man anmerkt, dass er sehr bemüht ist, keinen Fehler auf Englisch zu machen, wird eher für Anspannung bei seinem Gegenüber sorgen und vielleicht sogar unsympathisch wirken. Denn wenn wir fehlerfrei sprechen wollen, liegt der Fokus auf der Grammatik und nicht auf unserem Gesprächspartner - und das spüren Menschen.

Zum Weiterlesen:

Über mich:

Ich bin Natalie Marby und ich coache Menschen, die mehr Selbstvertrauen beim Englisch sprechen haben möchten. Mehr zu meiner Arbeit erfahren Sie hier: Selbstbewusst Englisch sprechen - Coaching.

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