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Angst vor dem Englisch sprechen: Grund ist ein überfordertes inneres Kind

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Immer dann, wenn unsere Emotionen für andere nicht nachvollziehbar sind, ist meist ein überfordertes inneres Kind die Ursache. Lesen Sie hier, wie Englisch Blockaden nach diesem Muster entstehen:

Das innere Kind hat Angst vor dem Englisch reden

Das "innere Kind" ist eine Bezeichnung für unbewusst abgespeicherte Gefühle aus der Kindheit. Im Grunde ist das innere Kind so etwas wie die Kind-Version von einem selbst - dieses Kind lebt im Erwachsenen weiter und wird immer dann aktiv, wenn Situationen eintreten, die an die Kindheit bzw. an die damals erlebten Gefühle erinnern. So auch beim Englisch sprechen: Die meisten Menschen fühlen sich beim Sprechen einer Fremdsprache plötzlich etwas "klein", etwas dumm und etwas unbeholfen. Für die meisten ist das nicht weiter tragisch, sie leben damit, überspielen es irgendwie und nehmen es in Kauf, dass sie in der Fremdsprache nicht ganz so eloquent und geschliffen daherkommen, wie in der Muttersprache. Anders sieht es dagegen bei Menschen aus, die in ihrer Kindheit negative Erfahrungen mit Situationen gemacht haben, in denen sie etwas nicht verstanden haben, sich nicht angemessen ausdrücken konnten oder eine Kommunikationsbarriere herrschte. Diese Menschen verfallen beim Sprechen einer Fremdsprache dann in Panik, weil die Fremdsprache sie unbewusst an Situationen von früher erinnert, in denen sie sich hilflos oder ausgeliefert gefühlt haben. Nachfolgend dazu ein Beispiel:

Beispiel für eine Überforderung: Grenzen setzen innerhalb der Familie

Für jeden Menschen ist es enorm wichtig, eigene Grenzen setzen zu können. Kinder lernen dies meist früh in der Familie, mit ihren Geschwistern, aber auch mit ihren Eltern. Hat ein Kind jedoch erfahren, dass es keine Grenzen setzen kann, da Eltern oder Geschwister über diese Grenzen hinweggehen, kann es später als erwachsener Mensch sehr schnell in Panik geraten, wenn es an solche Situationen erinnert wird. Englisch zu sprechen kann eine solche Situation darstellen: Die meisten Menschen erleben das Sprechen einer Fremdsprache als etwas, bei dem Grenzen plötzlich auf merkwürdige Art verschwimmen. Das merkt man daran, dass eigene Emotionen stärker zu spüren sind, der eigene Körper stärker reagiert und man schnell nervös wird, leichte Angst oder sogar Panik verspürt, wenn das Gespräch nicht sofort in Gang kommt. Der Gesprächspartner kommt einem dann beim Englisch reden schlagartig sehr nahe vor, man fühlt sich emotional irgendwie verletzlicher und kämpft oft darum, bei sich zu bleiben und sich irgendwie zu schützen. Viele Menschen fangen dann an, sehr schnell zu reden, um irgendwie die Kontrolle über die Situation zu gewinnen. Gesprächspausen sind für solche Menschen sehr schwer zu ertragen und deswegen sind fehlende englische Vokabeln für die Betroffenen ein absoluter Alptraum. Denn solange man sprechen kann, hat man noch irgendwie das Gefühl, die Situation im Griff zu haben und die eigenen Grenzen wahren zu können, denn Sprechen schafft eine gewisse Art von Distanz. Man kann Menschen besser auf Abstand halten, wenn man redet. Verfällt man in Schweigen, kommen Menschen einem gefühlt sehr schnell sehr nahe. Die Angst, dass die eigenen Grenzen überschritten werden, erkennt man beim Englisch reden auch daran, dass jemand sich genötigt fühlt, sehr schnell zu antworten, wenn er etwas auf Englisch gefragt wird. Diese Menschen sind dann unfähig, sich mit ihrer Antwort Zeit zu lassen, weil sie viel zu viel Angst haben, dass der andere ihre Grenzen sofort überschreitet, sobald sie nicht sofort die passende Antwort parat haben. Im Grund ist das Englisch sprechen für diese Menschen dann eine einzige Flucht nach vorn, aus lauter Angst, dem anderen sonst ausgeliefert zu sein.

Das innere Kind ist vom Englisch sprechen überfordert

Weil Betroffene den Glaubenssatz haben, dass ihre Grenzen überschritten werden, wenn sie dem keinen Einhalt gebieten, fühlen sie sich genötigt, perfektes Englisch zu reden. Denn nur perfektes Englisch kann das Gefühl von "erwachsen sein" und damit von Macht, Kontrolle und Beherrschbarkeit der Situation vermitteln. Ein holperiges, fehlerhaftes Schulenglisch dagegen, vermittelt das Gefühl von "Kind sein" und stellt in den Augen der Betroffenen eine Einladung an andere dar, ihre Grenzen zu überschreiten. Das innere Kind kann jedoch auch auf viele andere Arten schnell beim Englisch reden überfordert sein. Nachfolgend einige typische Beispiele, die eine Überforderung des inneren Kindes beim Englisch sprechen herbeiführen können:

  • Angst, dumm zu wirken
  • Angst, nicht gut genug zu sein
  • Angst vor Ausschluss aus einer Gruppe (z.B. aus dem Kollegenkreis)
  • Angst vor Kontrollverlust (z.B. Verlust der Kontrolle über das, was andere von einem denken)
  • Angst vor Abwertung (z.B. weil man glaubt, den eigenen Job eigentlich nicht zu verdienen)
  • Angst davor, ungebildet zu erscheinen

Wie überwindet man die innere Überforderung beim Englisch sprechen?

Man muss sich von der Idee lösen, dass nur perfektes Englisch einem Sicherheit bietet (z.B. vor Abwertung). Es muss einem im Grunde erstmal egal sein, was andere von einem denken - solange man sein Bestes gibt und seinen Job weiterhin gut macht, ist es ja eigentlich unerheblich, wie gut oder schlecht die Englischkenntnisse sind. Denn Englisch ist eine einfache Sprache und man kann die eigenen Englischkenntnisse sehr schnell verbessern, wenn man regelmässig übt und sich praktischen Englischsituationen stellt. Wenn man jedes englische Gespräch als eine Art Übungssituation sieht, in der man etwas lernen kann und sich verbessern kann, dann wird man schnell fließend und angstfrei sprechen können. Für manche Menschen ist das jedoch nicht so einfach - diese Menschen brauchen etwas mehr als nur Sprechpraxis. Sie müssen zunächst ihr inneres Kind und dessen Überforderung verstehen lernen. Denn nur in Zusammenarbeit mit dem inneren Kind (und nicht gegen das innere Kind) kann eine Englisch Barriere dauerhaft überwunden werden. Um das innere Kind und seine Überforderung zu verstehen, muss man nicht in die Vergangenheit gehen. Es lässt sich sehr gut auch in der Gegenwart erfassen und heilen. Dazu bedarf es manchmal (nicht immer) der Hilfe eines Therapeuten, da die eigenen Gefühle einem bei der Heilung des inneren Kindes schnell im Weg stehen können. Man kann es jedoch auch alleine schaffen, das innere Kind soweit zu verstehen und lieben zu lernen, so dass es kooperiert und man erkennt, dass heute als Erwachsener kein Grund mehr zur Überforderung besteht, nur weil man eine fremde Sprache spricht. 

Zum Weiterlesen:

Über mich:

Ich bin Natalie Marby, zweisprachig (Englisch/Deutsch) und Therapeutin in Hamburg. Ich habe mich auf die Behandlung von Englisch Phobie spezialisiert und biete meine Beratung überregional auch telefonisch an. Mehr zu meiner Arbeit lesen Sie hier: Psychotherapie bei Angst vor dem Englisch reden.

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