· 

Warum Menschen mit Migrationshintergrund oft Schwierigkeiten mit Englisch haben

migrationshintergrund-und-englischprobleme-ursachen-tipps

Eigentlich sollte man meinen, dass ein Mensch, der bereits eine Fremdsprache, nämlich Deutsch, gelernt hat, keine Problem mit einer zweiten Fremdsprache haben sollte. Aber das Gegenteil ist oft der Fall. Warum, lesen Sie hier:

Englisch weckt die alte Angst, sich nicht integrieren zu können

In meinem Kundenkreis sind viele Menschen, die als Kinder mit ihrer Familie nach Deutschland eingewandert sind. Egal ob aus Russland, Griechenland, Spanien oder der Türkei: Sie alle berichten von dem immensen Druck, sich schnell integrieren zu müssen. Meist sprachen die Eltern bzw. ältere Geschwister die deutsche Sprache noch nicht gut, so dass vor allem die jüngeren Kinder gefordert waren, Deutsch schnell zu ihrer ersten Sprache zu machen. Diese Kinder hörten dann oft von ihren Eltern, dass sie sich besonders anstrengen müssen, und zwar vor allem, was die deutsche Sprache angeht. Dieser Druck ist verständlich seitens der Eltern, aber dennoch sehr schwierig für das betroffene Kind. Gefühle wie zum Beispiel Überforderung, Versagensangst oder Angst, die Liebe der Eltern zu verlieren, da diese enttäuscht werden könnten, schwingen bei dem Kind oft jahrelang mit und setzen sich als eine Art Hintergrundmusik in der Seele des Kindes fest. Später, wenn diese Kinder älter sind, kommt meist eine weitere Fremsprache in Form von Englisch auf sie zu. Es ist nicht verwunderlich, dass dann manchmal die alten negativen Gefühle auf einmal wieder da sind, ohne dass die Betroffenen sich das wirklich erklären können. In manchen Fällen löst sich das Problem von allein, in anderen Fällen kann sich jedoch eine regelrechte Englisch Blockade entwickeln. Die häufigsten Ursachen für eine Englisch Blockade bei Migranten lesen Sie im folgenden Abschnitt:

Englisch Probleme bei Migranten: Die 3 häufigsten Ursachen

Aus meiner Arbeit sind mir die folgenden Hauptursachen für migrationsbedingte Englischprobleme bekannt:

 

1.Angst, vorverurteilt zu werden

Die Angst, vorverurteilt zu werden bezieht sich auf die frühere Angst, zum Beispiel von einem Lehrer für weniger klug gehalten zu werden und dadurch Nachteile in der Schule zu haben. Übertragen auf heute kann sich ein solcher Mensch beim Thema Englisch unsicher fühlen, weil er Angst hat, dass sein Chef ihn für nicht kompetent hält, wenn er Englischfehler macht und er dadurch berufliche Nachteile fürchtet.

 

2. Grundsätzliche Angst, Englischfehler zu machen

Die meisten Menschen wissen, dass Fehler beim Englisch sprechen einfach dazugehören. Für einen Menschen mit Migrationshintergrund wiegen solche Fehler jedoch oft viel, viel schwerer. Denn der Schlüssel zur Integration war früher das Erlernen der deutschen Sprache. Davon hing sehr viel ab, nicht nur für das Kind, sondern oft für die gesamte Familie. Diese Gefühle von Druck und Selbstkritik können beim Englischsprechen wieder hochkommen und dem Betroffenen sehr viel Unbehagen verursachen, so dass Englisch manchmal komplett vermieden wird.

 

3. Angst, Erwartungen nicht zu erfüllen

In den Herkunftsländern der meisten Migranten steht die Familie und der Familienzusammenhalt höher als in Deutschland. Das bedeutet auch, dass die Kinder sehr viel mehr dafür geben, die Eltern nicht zu enttäuschen. Eltern zu enttäuschen gilt oft als die größte Schmach für ein Kind und es wird viel dafür tun, dass dieser Fall nicht eintritt. Migrationskinder sind häufig sehr erfinderisch, wenn es darum geht, die Erwartungen der Eltern zu erfüllen. Sie zeigen sich dann sehr leistungsorientiert und stellen ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse in vielen Fällen zurück, zum Wohl der Familie. Später, wenn die Fremdsprache Englisch dazukommt, kann die Angst, die Erwartungen anderer nicht zu erfüllen, wieder auftreten. Zum Beispiel: Wenn man weiß, dass der Chef fließendes Englisch von seinen Mitarbeitern erwartet, kann ein Migrant, auch wenn er noch so kompetent und gut in seinem Job ist, plötzlich von starken Versagensängsten erfasst werden. Da diese Gefühle oft nicht in Worten, sondern nur in Form einer diffusen Angst in dem Betroffenen weiterleben, lassen sie sich nur schwer greifen und oft nur mit der Hilfe eines Experten lösen. Wie das geht, lesen Sie im nächsten Abschnitt.

Wie Menschen mit Migrationshintergrund lernen können, frei Englisch zu sprechen:

Der wichtigste Faktor beim Überwinden einer solchen Sprachblockade ist das Identifizieren der negativen Glaubenssätze. Das können zum Beispiel folgende (oft unbewusste) Überzeugungen sein:

  • "Ich bin nicht gut genug"
  • "Ich werde hier nur geduldet"
  • "Mein Platz ist nur sicher, wenn ich die Sprache kann"
  • "Ich muss mich doppelt anstrengen"
  • "Es geht nicht um mich"
  • "Meine Gefühle sind unwichtig"
  • "Es gibt nur diese eine Chance"
  • "Ich bin schuld, wenn das hier nicht klappt"
  • "Es wird von mir erwartet, dass ich die Sprache fehlerfrei spreche"
  • "Wenn ich Fehler mache, fliege ich auf"
  • "Die anderen denken, dass ich faul bin"
  • "Wenn ich Fehler mache, hält man mich für dumm"

Die Identifikation solcher Glaubenssätze ist ein komplizierter Vorgang, weil sie oft unbewusst in dem Betroffenen schlummern und sein Verhalten sozusagen aus dem Verborgenen gesteuert wird. Ein Experte, zum Beispiel ein Coach oder Therapeut kann dem Betroffenen helfen, seine eigene Versagensangst besser zu verstehen. Nach der Identifikation der negativen Überzeugungen lassen sich neue, positive Überzeugungen formulieren. Dies ist ebenfalls ein nicht ganz so einfacher Vorgang, denn bevor aus "Ich bin nicht gut genug" ein "Ich bin gut" wird, müssen sehr viele innere Hürden überwunden werden. Was man dennoch im Alleingang tun kann, lesen Sie nachfolgend:

3 Tipps für Menschen mit Migrationshintergrund, um besser Englisch zu sprechen:

  1. Schreiben Sie auf, was Ihre Ängste bezüglich Englisch sind: Was ist der "worst case", der schlimmstenfalls passieren kann? Fragen Sie sich, ob das wirklich der Realität entspricht.
  2. Formulieren Sie für sich, warum Sie fließend und frei Englisch sprechen wollen. Was haben Sie damit vor? Was sind Ihre Ziele? Ein solcher mentaler Fokus auf ein positives Ziel kann manchmal eine Englischblockade auflösen.
  3. Erlauben Sie sich ganz bewusst, Fehler beim Englisch reden zu machen. Mein Tipp: Machen Sie einmal absichtlich Fehler, nur um das Gefühl zu erleben, dass nichts passiert. (Dieser Tipp ist nur für Menschen geeignet, die eine leichte Englisch Blockade haben)

Wenn keiner dieser Tipps für Sie funktioniert und Sie immer noch mit Ihrem Englisch hadern, dann schauen Sie gerne auf meine Webseite. Ich habe mich auf das Thema "Frei Englisch reden" spezialisiert und arbeite mit Menschen, die an unerklärbaren Englischprobleme leiden. 

Zum Weiterlesen:

Auf meinem Blog finden Sie viele weitere hilfreiche Artikel zum Thema Blockaden beim Englisch sprechen.

Über mich

Ich bin Natalie Marby, zweisprachig (Englisch/Deutsch) und arbeite mit Menschen, die sich selbstbewusster beim Englisch sprechen fühlen wollen. Mehr zu meiner Arbeit erfahren Sie hier: Frei und selbstbewusst Englisch sprechen.

Ihnen gefällt mein Blog?

Kommentar schreiben

Kommentare: 0