Manchmal erzählen mir Menschen mit Englischangst von ihrer Rolle in der Familie.
Sie berichten davon, die Ältesten gewesen zu sein. Oder die Jüngsten. Oder das Kind dazwischen.
Natürlich lässt sich daraus keine einfache Erklärung für Schwierigkeiten mit dem Englischsprechen ableiten.
Trotzdem habe ich im Laufe meiner Arbeit immer wieder beobachtet, dass die Erfahrungen innerhalb einer Geschwisterkonstellation manchmal interessante Hinweise darauf geben können, wie Menschen heute mit Unsicherheit, Fehlern oder Sichtbarkeit umgehen.
Wenn man das älteste Kind war
Viele Erstgeborene beschreiben, dass sie früh Verantwortung übernommen haben.
Vielleicht wurde von ihnen erwartet, ein Vorbild zu sein.
Vielleicht waren sie gewohnt, Dinge richtig zu machen.
Vielleicht entwickelten sie einen hohen Anspruch an sich selbst.
Wenn solche Menschen Englisch sprechen, fällt ihnen manchmal besonders schwer, nicht sofort die richtigen Worte zu finden.
Nicht unbedingt, weil ihre Sprachkenntnisse fehlen.
Sondern weil Unvollkommenheit sich ungewohnt anfühlen kann.
Die Frage könnte dann lauten:
Wie viel Raum gebe ich mir, etwas nicht perfekt zu können?
Wenn man zwischen den Geschwistern stand
Menschen, die als mittleres Kind aufgewachsen sind, berichten oft von ganz unterschiedlichen Erfahrungen.
Manche beschreiben, dass sie ihren eigenen Platz finden mussten.
Andere erzählen von Kreativität, Anpassungsfähigkeit oder dem Gefühl, übersehen worden zu sein.
Beim Englischsprechen kann sich das manchmal darin zeigen, dass sie schnell das Interesse verlieren, wenn sie das Gefühl haben, nur Regeln auswendig lernen zu sollen.
Oft reagieren sie besonders gut auf lebendige und persönliche Zugänge zur Sprache.
Die Frage könnte dann lauten:
Wie lerne ich am besten — und darf mein eigener Weg anders aussehen als der anderer Menschen?
Wenn man das jüngste Kind war
Jüngere Geschwister erzählen manchmal, dass sie lange das Gefühl hatten, mit älteren Geschwistern mithalten zu müssen.
Vielleicht waren andere schneller.
Vielleicht wirkten andere kompetenter.
Vielleicht entstand das Gefühl, nicht sofort die richtigen Worte zu haben.
Wenn solche Menschen Englisch sprechen, kann es besonders unangenehm sein, nach Worten suchen zu müssen oder nicht sofort verstanden zu werden.
Die Frage könnte dann lauten:
Wie gehe ich mit Momenten um, in denen ich Zeit brauche?
Es geht nicht um Schubladen
Nicht jeder Erstgeborene ist perfektionistisch.
Nicht jedes mittlere Kind ist kreativ.
Und nicht jedes Nesthäkchen fürchtet sich davor, nicht verstanden zu werden.
Menschen sind komplexer als jede Familienrolle.
Trotzdem kann es manchmal interessant sein, einen Blick auf die eigene Geschichte zu werfen.
Nicht um eine Ursache für Englischangst zu finden.
Sondern um besser zu verstehen, welche Erfahrungen uns vielleicht geprägt haben – und welche Erwartungen wir heute noch unbewusst an uns selbst stellen.
Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einer Lösung.
Sondern mit einem etwas freundlicheren Blick auf die eigene Geschichte.
Wenn Sie mehr über die möglichen Hintergründe von Englischangst (Angst, Englisch zu sprechen) erfahren möchten, finden Sie hier weitere Informationen:
