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Die drei wichtigsten Tipps gegen die Angst vor dem Englisch reden

Über die Angst vor dem Englisch sprechen schreibe ich bereits seit vielen Jahren hier auf diesem Blog. Heute stelle ich Ihnen die aus meiner Sicht wichtigsten 3 Tipps vor, um das Problem dauerhaft in den Griff zu bekommen:

Tipp Nr. 1: Blockierende Glaubenssätze identifizieren

Was ist es, das Sie davon abhält, einfach drauflos zu reden? Sie werden mit großer Wahrscheinlichkeit einen oder mehrere negative Glaubenssätze (das sind tief verinnerlichte und nicht mehr hinterfragte Überzeugungen) mit sich herumschleppen, die Sie beim Englisch sprechen blockieren. Nachfolgend eine Liste der am häufigsten vorkommenden negativen Glaubenssätze rund um das Thema Englisch:

  • Mein Englisch ist nicht gut genug
  • Mein Englisch ist "Kinder Englisch"
  • Mein Englisch klingt wie Schulenglisch
  • Ich mache ständig Fehler
  • Andere werden heimlich über mein Englisch lachen
  • Ich klinge komisch, wenn ich Englisch rede
  • Meine Sätze sind nicht vollständig
  • Ich benutze die falschen Zeiten
  • Ich kann auf Englisch nicht das ausdrücken, was ich sagen will
  • Ich weiss nicht, wie ich einen Satz auf Englisch anfangen soll
  • Wenn ich Englisch rede, werden andere merken, wie dumm/ungebildet/unprofessionell ich bin
  • Andere werken merken, dass ich für diesen Job eigentlich ungeeignet bin (ich werde auffliegen)
  • Wenn ich Englisch rede, bin ich anderen Menschen hilflos ausgeliefert
  • Wenn ich Englisch rede, kann ich mich nicht abgrenzen oder schützen
  • Ich kann das Gespräch nicht führen (lenken), wenn ich Englisch rede
  • Wenn ich Englisch rede, können andere mich manipulieren, da ich nur die Hälfte verstehe
  • Wenn ich etwas auf Englisch sage, kann ich nie sicher sein, dass der andere mich auch wirklich versteht
  • Ich habe Angst, etwas falsch zu verstehen und mich dann lächerlich zu machen
  • Die anderen sprechen Englisch mit Leichtigkeit und ich mühe mich ab. Das ist mir peinlich.
  • Wenn ich Englisch rede, können andere mich mit Fragen "überfallen", die ich nicht sofort beantworten kann, weil mir die Worte fehlen. Dann stehe ich dumm da.
  • Ich kann nicht kontrollieren, wie ich auf andere wirke, wenn ich Englisch rede
  • Von mir wird erwartet, dass mein Englisch absolut perfekt ist
  • Ich darf mir unter keinen Umständen einen Fehler auf Englisch erlauben

Picken Sie sich am besten einen oder mehrere der oben genannten Glaubenssätze heraus, die am ehesten dem entsprechen, von dem Sie glauben, dass es der Grund für Ihre Englischangst ist. So haben Sie schon einmal eine grobe Orientierung in Bezug auf das, woran Sie bei sich arbeiten müssen.

Tipp Nr. 2: Neue Glaubenssätze formulieren

Das geht am besten mit der Hilfe eines Therapeuten, aber Sie können das auch alleine schaffen: Nehmen wir mal an, Sie plagt die tiefe Überzeugung, dass Sie sich unter keinen Umständen einen Fehler auf Englisch erlauben dürfen, weil man Sie sonst für dumm hält. Der Glaubenssatz, der Sie beherrscht, lautet somit:

 

"Wenn ich beim Englisch reden einen Fehler mache, halten andere mich für dumm. Ich darf deshalb auf keinen Fall einen Fehler machen. Mein Englisch muss gut sein."

 

Dieser Glaubenssatz hält Sie komplett gefangen, denn Sie geben alle Macht an die anderen, die Sie für Ihr Englisch (vermeintlich) bewerten. Der erste Schritt ist, sich diese Macht zurückzuholen. Ein neuer, positiverer Glaubenssatz könnte somit lauten:

 

"Es ist mir egal, was andere von meinem Englisch halten. Ich gebe mein Bestes und wenn ich einen Fehler mache, verzeihe ich mir das. Ich weiß, dass ich nicht dumm bin."

 

Zugegeben: Um dorthin zu kommen, ist einiges an innerer Arbeit nötig. Sie müssen diesen neuen, positiven Glaubenssatz auch wirklich selbst glauben, und dazu bedarf es eines behutsamen Hinführens, eines Hineinhorchens in sich selbst und viele innere Zwiegespräche mit sich selbst, seinen Ängsten und manchmal auch seinem inneren Kind, denn oft ist es das innere Kind, das beim Englisch sprechen so drastisch blockiert. (Wenn Sie dieses Thema interessiert, empfehle ich Ihnen folgenden Artikel: Angst vor dem Englisch sprechen: Grund ist ein überfordertes inneres Kind)

 

Ganz am Ende der therapeutischen Arbeit zur Überwindung einer Englisch Phobie muss die tiefe Überzeugung stehen, dass das eigene Englisch sehr gut ist (oder zumindest so gut, dass Sie selbst zufrieden sein können). Denn es sind nicht die Grammatikfehler oder die Vokabeln, die ein "sehr gutes Englisch" ausmachen. Sie sind nicht mehr in der Schule und im Job ist perfektes Englisch keine Frage von richtig oder falsch angewendeten Sprachregeln. Es ist die Art, wie Sie Englisch anwenden, die darüber entscheidet, ob Ihr Englisch sehr gut ist oder sehr schlecht. Einen weiterführenden Artikel zu diesem Thema finden Sie hier: Wer beruflich gut Englisch sprechen will, muss raus aus der Schülerhaltung.

Tipp Nr. 3: Einen geschützten Rahmen zum Englisch sprechen suchen

Oft ist klassischer Englisch Unterricht für Englischangst Betroffene nicht hilfreich, weil der Unterricht ihre Ängste verstärkt. Es ist aus meiner Sicht enorm wichtig, sich einen geschützten Rahmen zu suchen, in dem man das Sprechen, das eventuelle Schweigen, das Fragen und das Interagieren auf Englisch entspannt und in Ruhe geübt werden kann. Dieses "geschützte Üben" ist ein fester Teil meiner therapeutischen Arbeit zur Überwindung einer Englisch Phobie. Sie können dies aber auch mit einem Englisch Lehrer tun, Sie müssen ihn nur vorher darüber informieren und schauen, ob er in der Lage ist, Sie entsprechend zu halten. Denn Sie werden sich fühlen wie ein Kind, das auf einem großen liegenden Baumstamm balancieren soll. Wenn da kein Erwachsener ist, der zumindest eine hilfreiche Hand bieten kann, falls man wackelt, kann das sehr beängstigend sein. Oft sind Lehrer leider so aufgestellt, dass sie Schüler auf den Baumstamm platzieren und ihnen einen kleinen Schubs geben und dann oft zuschauen, wie der Schüler vom Baumstamm herunterplumpst. Bei Menschen, die keine Ängste vor dem Englisch sprechen haben, ist das kein Problem. Hat man jedoch eine echte Englisch Sprachblockade, kann so ein Hinunterplumpsen eine traumatisierenden Wirkung haben. Ich kenne einige Klienten, die mir von solchen Erlebnissen innerhalb eines Englischunterrichts berichtet haben. Das ist nicht die Schuld der Lehrer, denn die meisten haben von Englisch Phobie noch nie etwas gehört. Umso wichtiger ist es, dass dieses Thema in der Zukunft offener und intensiver angesprochen wird - in Sprachenschulen, aber auch in Firmen, in denen hausinterner Englischunterricht angeboten wird.

Zum Weiterlesen:

Über mich:

Ich bin Natalie Marby, zweisprachig (Englisch/Deutsch) und Therapeutin in Hamburg. Ich habe mich auf die Behandlung von Englisch Phobie spezialisiert und biete diese Beratung überregional auch telefonisch an. Mehr zu meiner Arbeit lesen Sie hier: Psychotherapie bei Angst vor dem Englisch reden.

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